Nagelsmann zückt den kader-macheten: undav zurück, musiala raus, karl erst 18
Julian Nagelsmann hat die WM-Vorfreude auf einen Schlag in konkrete Personaldezisionen verwandelt: 26 Namen für zwei Testspiele, ein Sextett an Rückkehrern, zwei Teenager und ein Ausfall, der die Bayern-Kabine in Stuttgart am Samstag bereits durchzittern wird.
Deniz undav liefert die antwort auf nagelsmanns torfrage
16 Treffer, vier Vorlagen – keine deutsche Sturmkraft liefert brachialere Zahlen ab. Deniz Undav feierte beim VfB Stuttgart eine Art Privat-Meisterschaft, nun darf er sie gegen die Schweiz und Ghana in die Länderspielwirklichkeit übersetzen. Die Berufung kommt spät, aber mit Nachdruck. Nagelsmann hatte im kicker-Gespräch signalisiert, dass er sich nicht von Medienrunden treiben lässt, sondern von Zahlen. Die sprechen für den 27-Jährigen.
Doch es gibt ein «aber». Kai Havertz kehrt nach monatelanger Verletzungspause zurück, Nick Woltemade rückt aus Newcastle nach, Kevin Schade soll seine Sprintpower beweisen. Der Bundestrainer bereitet sich auf ein Sommerturnier vor, bei dem ein einziger verschossener Elfmeter reichen kann, um nach Hause zu fliegen. Deshalb: vier nominelle Neuner, aber nur ein echter Dauerbrenner – Undav.

Jamal musiala bleibt zu hause – und das ist kein kavaliersdelikt
Vincent Kompany hatte noch am Dienstag mit Nagelsmann telefoniert, das Gespräch endete mit dem Befund: kein Risiko. Musiala spürt Adduktoren, die ihn seit Wochen flüstern, statt brillieren zu lassen. Bayern verzichtet am Samstag gegen Union Berlin, Deutschland verzichtet in Basel und Stuttgart. Die Botschaft ist klar: Wer in diesem Kader steht, muss einsatzbereit sein. Musiala ist das größte Talent, aber nicht die größte Garantie.
Dafür bekommt Lennart Karl, 18, frisch gebackener Bayern-Profi, die Chance, sich in der Innenverteidigung mitzureden. Jonas Urbig, 22, steht als Nübel-Vertreter zwischen den Pfosten, weil Marc-André ter Stegen weiterhin rekonvalesziert. Urbig ist diesmal nicht nur Trainingskeeper, er könnte tatsächlich debütieren. Drei Tage später wartet Ghana, ein Gegner, der mit Athletik droht und Individualfehler sofort bestraft.

Die rückkehrer und ihre geschichten
Antonio Rüdiger kommt mit dem Selbstvertrauen eines Champions-League-Viertelfinalhelden, Pascal Groß mit der Gelassenheit eines Premier-League-Routiniers. Anton Stach darf trotz Zweikampf-Mängeln überzeugen, Josha Vagnoman erhält eine neue Chance auf der rechten Abwehrseite. Die Botschaft an alle: WM-Plätze sind noch nicht zementiert, aber Namen sind jetzt auf dem Zettel.
Keinen Zettel gibt es für Angelo Stiller und Maximilian Mittelstädt – trotz starker Herbstspiele. Nagelsmann beweist, dass er Fan von Leistung, aber kein Gefangener von Hype ist. Said El Mala trifft weiter auf die U 21. Die Entscheidung ist kaltherzig, aber nachvollziehbar: Ein Fehlstart im WM-Turnier lässt sich mit Potenzial nicht mehr kitten, nur mit Toren und Zuverlässigkeit.
27. März in St. Jakob-Park, 30. März in der MHP-Arena – zwei Spiele, die längst mehr sind als Testspiele. Sie sind die letzten Möglichkeiten, um Gesichter festzuschreiben oder zu streichen. Wer jetzt nicht dabei ist, muss im Sommer Urlaig in den USA machen. Und wer dabei ist, darf sich beweisen – selbst wenn man erst 18 Jahre alt ist oder gerade vom Verletztentrip zurückkehrt.
Die WM ist weniger als 100 Tage entfernt. Für Nagelsmann beginnt jetzt die Feinjustierung. Für 26 Spieler beginnt der Kampf um 23 Plätze. Die Rechnung ist einfach: drei werden scheitern, weil sie nicht mehr Zeit bekommen. Der Countdown läuft – mit oder ohne Jamal Musiala.
