Nagelsmann schlägt zurück: karl und urbig rücken in den dfb-kader
Julian Nagelsmann lässt die Bombe platzen. Am Donnerstagmorgen nominierte der Bundestrainer Lennart Karl und Jonas Urbig – zwei Spieler, die vor zwei Wochen noch mit der U21 in Leverkusen standen – für die Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana. Die Entscheidung ist ein Affront gegen den erwarteten Konsens, denn Karl absolvierte gerade mal fünf Bundesligaminuten für die Bayern, Urbig steht in Köln hinter Marvin Schwäbe.
Das Duo ist Teil eines Kaders, der bewusst Provokation sucht. Nagelsmann hatte es im kicker angekündigt: „Es wird Entscheidungen geben, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen.“ Der Satz war kein Warnschuss, sondern eine Kampfansage an alle, die sich eine einfache Fortschreibung der EM-Elf erhofften.
Warum jetzt karl und urbig?
Die Antwort liegt im Detail. Karl ist 1,96 m groß, linksfußig und kann sowohl Sechser als auch Innenverteidiger spielen – ein Profil, das Nagelsmann seit der Rückkehr zum Dreier-Defensivverbund sucht. Urbig wiederum ist mit 20 Jahren der jüngste Keeper, der je in ein Nagelsmann-Camp kommt. Die Botschaft: Steffen Baumgart darf in Köln weitermachen, aber der Bundestrainer entscheidet, wer Deutschlands Zukunft ist.
Die Brisanz: Beide stehen vor dem Abstieg mit ihren Klubs. Urbing könnte am 30. Mai mit Köln in die 2. Liga rutschen, Karl schaute zuletzt 90 Minuten beim 1:4 in Heidenheim nur von der Bank. Nagelsmann dreht die Logik um: Leistungsträger beim Club? Egal. Er sucht Typen, die Druck aushalten.

Musiala fällt, stiller und el mala raus
Die andere Seite der Liste ist hart. Jamal Musiala bleibt in München, weil seine Oberschenkel-Reha noch sieben Tage dauert. Angelo Stiller und Said El Mala, Hoffnungsträger der Rückrunde, bleiben zuhause. Stiller war gegen Freiburg Herrscher im Mittelfeld, El Mala lieferte in Bochum Tore und Vorlagen. Doch Nagelsmann strich sie durch – ein Vorgeschmack auf den EM-Kader, der Ende Mai nur 23 Plätze bietet.
Die Zahl, die bleibt: 2014 hatte die DFB-Auswahl noch 72 Profis mit Länderspielstatus. Heute sind es 48. Der Kreis schließt sich, die Konkurrenz wird gnadenloser. Wer jetzt nicht dabei ist, kann im Sommer Urlaub machen.
Mit dem Auftritt in Basel und Stuttgart beginnt der zweite Akt von Nagelsmanns Amtszeit. Der erste war die Rettung, der zweite ist die Neuerfindung. Karl und Urbig sind keine Pannen, sondern die Visitenkarte eines Trainers, der lieber früh recht hat als spät beliebt. Die Meinung der Bosse interessiert ihn nicht mehr – nur noch die Tabelle vom 15. Juli, wenn das EM-Viertelfinale ansteht.