Nagelsmann lässt ghanaer in stuttgart tanzen – nübel und undav liefern heimspiel-krimi
Stuttgart wird am Sonntagabend zur Fußball-Laborbühne. Julian Nagelsmann schickt ein halbstückiges Team ins Rennen, das nach dem 4:3-Feuerwerk in Basel die Nerven behalten soll – diesmal gegen Ghanas Black Stars, die schon für die WM in den USA gebucht haben und nicht als Testgegner, sondern als Warnsignal dienen.
Florian wirtz muss liefern, die abwehr muss überleben
Florian Wirtz war Freitag in Basel der Mann mit der Zaunlaterne, beteiligt an allen vier Treffern. Doch die gleiche Partie offenbarte auch die alten Lücken: Tah und Schlotterbeck wirkten wie zwei Kollegen, die sich auf dem Weg zur Arbeit zufällig nebeneinander gelaufen sind. Gegen die Schweiz reichte es trotzdem, weil vorne jeder Schuss sitzt. Gegen Ghana wird das nicht reichen, denn Antoine Semenyo läuft nicht nur schnell, er denkt währenddessen auch.
Der Wechsel auf der Torposition ist kein Gag. Alexander Nübel bekommt in „seinem“ Stadion den Job, weil Nagelsmann die Rangfolge nicht zementieren will. Oliver Baumann schaut von der Bank, der VfB-Keeper darf zeigen, warum man ihn einst als Neuer-Erben titulierte. Neben ihm steht Deniz Undav, der Stuttgarter Angreifer, der in der Liga schon lange kein Geheimnis mehr ist, aber in der Nationalmannschaft noch ein offenes Kapitel.

Kimmich vor dem sprung auf klinsmann-niveau
Joshua Kimmich jagt seine 108. Cap. Dann teilt er sich Platz neun der ewigen Liste mit Jürgen Klinsmann, einem Mann, der weiß, dass man auf der WM-Bühne nicht nur Fußball spielt, sondern auch Geschichte. Die Zahl klingt nach Statistik, ist aber ein Stimmungsbarometer: Kimmich ist der Kopf dieser Truppe, und seine Erfahrung wird gebraucht, wenn Ghana das Tempo erhöht.
Die Black Stars haben den Afrika-Cup viermal gewonnen, was in Stuttgart niemanden kümmert, aber jeder im DFB-Quartier weiß: Wer gegen Afrikas Teams nicht steht, fliegt früher raus, als ihm lieb ist. Ghana ist in Gruppe L bereits auf England und Kroatien eingestellt, also auf Gegner, die Deutschland früher oder später ebenfalls erwarten.
20.45 Uhr, ARD und Stream, Ticker, alles dabei. Aber die wahre Geschichte spielt sich abseits der Kameras ab: Nagelsmann testet nicht nur Systeme, er testet Charakter. Nach dem Offensivrausch von Basel will er sehen, wer bereit ist, auch mal den Kopf hinzuhalten, wenn der Gegner nicht mehr mitspielt, sondern zupackt.
Stuttgart wird laut, das ist sicher. Die Frage ist nur, ob am Ende die deutsche Mannschaft jubelt – oder die Erkenntnis bleibt, dass vor der WM noch mehr Arbeit ansteht als gedacht. Eines ist klar: Wer heute patzt, fliegt beim Turnier eher raus, als ihm lieb ist.
