Boniface steigt wieder ein: werder rettet sich mit leih-stürmer aus dem abstieg?
Victor Boniface zieht sich das Trainingsleibchen über – und plötzlich sieht Werder Bremen wieder Licht. Drei Monate nach seiner Knie-Operation in Innsbruck, die eigentlich Saison-Aus bedeutete, beginnt der Nigerianer am Dienstag mit dem individuellen Aufbau. Elf Ligaspiele ohne Tor, null Punkte im Kampf gegen den Abstieg, aber jetzt: ein Comeback, das niemand mehr erwartet hatte.
Peter niemeyers letzter trumpf
„Victor soll die Woche individuell arbeiten, danach schauen wir weiter“, sagt Werders Sport-Geschäftsführer Peter Niemeyer. Die Formulierung klingt vorsichtig, doch dahinter steckt pure Hoffnung. Nach dem Kreuzband-Aus von Keke Topp fehlt dem Tabellen-14. ein Target-Player, der Bälle festmacht und Gegner einschaltet. Boniface, 1,89 m, 89 kg, ist diese Besetzung – wenn das Knie mitspielt.
Der 25-Jährige war am 10. Januar operiert worden, weil sich ein alter Meniskusriss entzündete. Die Prognose: vier Monate Pause. Die Realität: Er trainiert bereits wieder auf dem Rasen der Weser-Knaben. Die Leihgabe von Bayer Leverkusen läuft am 30. Juni aus; ein Einsatz in den letzten sieben Spielen wäre rechtlich und medizinisch noch innerhalb der Frist möglich.

Warum bremen plötzlich alles riskiert
Die Zahlen sind gnadenlos: Werder erzielte in den letzten fünf Partien nur drei Treffer, zwei davon per Elfmeter. Ohne Topp droht die Angriffs-Flaute. Deshalb wagt der Klub den medizinischen Gamble. Knie-Experten sprechen von einer „kalkulierten Belastungssteuerung“: 15 bis 20 Minuten Einsatzzeit ab Spieltag 31, vorausgesetzt, das Laufvermögen erreicht 85 Prozent der alten Power.
Für Boniface geht es um die WM-Teilnahme Nigerias im Juli. Für Werder um 40 Millionen Euro Liga-TV-Gelder, die bei einem Abstieg wegfallen. Die Interessen überschneiden sich perfekt – oder enden in einem weiteren medizinischen Drama.

Die stunde der wahrheit steht bevor
Am 18. April gastiert der FC Bayern in der Weser-Stadt. Fällt Boniface dort in den Kader, wäre das mehr als Symbolik: Es wäre die letzte Rettungs-Lanze eines Klubs, der schon vor Jahren lernen musste, dass Hoffnung im Fußball manchmal die beste Taktik ist. Die medizinische Abteilung gibt sich optimistisch: „Kein Rezidiv, keine Schwellung, alles sauber“, heißt es intern. Der Rest ist Willensfrage.
Wenn Boniface in den letzten Minuten gegen Mainz oder Köln den 1:0-Siegtreffer erzielt, schreibt Werder nicht nur Geschichte, sondern auch ein Lehrstück über Risiko und Rendite. Bis dahin zählt nur ein Satz: Aufstehen, Leibchen überziehen, weitermachen. Der Abstiegskampf wartet nicht auf Perfektion.
