Morrone wird zur tortur: füchse ringen kassel in 2. verlängerung nieder
81 Minuten Eiszeit, 57 Schüsse auf sein Tor – und Anthony Morrone wehrte fast alle ab. Mit 56 Paraden katapultierte der 28-jährige Kanadier die lausitzfuchsartig dezimierte Mannschaft von Christof Kreutzer in die 2. Verlängerung und schließlich zum 3:2-Sieg bei den Kassel Huskies. Serie jetzt 2:3, Spiel 6 am Sonntag in Weißwasser. Noch lebt der Underdog.
Morrone verschießt den favoriten
Die Huskies drängten von der ersten Sekunde an, ließen Kreisel laufen, spielten sich Lücken – und stolperten immer wieder über den Mann mit der Maske. Morrone rutschte, flog, streckte sich, war früher da als die Gedanken der Kasseler Scharfschützen. Die Fans im Eissportzentrum Süd schüttelten ungläubig den Kopf. «Wir haben alles reingeworfen außer dem Küchentisch», sagte Kassels Coach nach dem Abpfiff, «aber der Keeper war einfach leer.»
Doch es war mehr als Torhüterglück. Die Füchse blockierten 27 Schüsse, opferten sich wie auf einer Schlachtbank. Ohne vier verletzte Stammkräfte, mit nur drei kompletten Sturmreihen, spielten sie sich in einen Rausch. Kurz vor Ende des zweiten Drittels landete ein harmloser Schlenzer von Eric Hjorth unvermittel im Netz – 2:2, die Halle verstummte, nur ein kleiner Seidel-Block jubelte sich die Seele aus dem Leib.

Lane seidel trifft im leeren kasseler käfig
In der 80. Minute dann die Szene, die diese Playoff-Runde prägen wird: Kassel zieht Morrone, Hunter Garlent bekommt die Scheibe, sieht das leere Tor – und schießt knapp neben den Pfosten. Sekunden später Gegenstoß, Lane Seidel schlenzt aus dem eigenen Drittel, trifft genau jene Lücke, die Morrone zuvor 57 Mal zugemauert hatte. 3:2, Endstand, Entladung.
«Das ist kein Glück mehr», sagte Kreutzer mit heiserer Stimme, «das ist Charakter.» Die Lausitzer haben sich selbst überholt, sie laufen auf Reservekraft, aber mit unbedingtem Willen. Morrone trägt die Serie wie eine Fahne vor sich her, die Füchse schlagen sich frei aus der Rolle des Abstiegskandidaten. Dreimal mussten sie schon siegen, um nicht auszuscheiden – dreimal lieferten sie ab.
Am Sonntag steht Kassel erneut unter Zugzwang. Die Huskies, haushoher Meisterschaftsfavorit, müssen in der fremden Eishalle gewinnen, sonst folgt ein entscheidendes Spiel 7 auf heimischem Eis. Doch die Füchse haben begriffen: Morrone ist keine Mauer, er ist ein Schild. Und hinter ihm wartet eine Mannschaft, die bereit ist, bis zum bitteren Ende zu blocken, zu foulen, zu leiden – und irgendwann wieder zu treffen. Die Serie ist offen, die Tore fallen spät, die Nerven liegen blank. Morrone hat Kassel an die Kante gedrückt; jetzt müssen die Huskies beweisen, dass sie noch einen Schritt tiefer gehen können.
