Montreal schlägt zurück: italiens short-track-team schreibt nach 28 jahren medaillen-rekord
Ohne Arianna Fontana, mit Pietro Sighel im entscheidenden Überholmanöver: Die Mixed-Staffel holt in Montreal Gold – und schickt das bislang erfolgreichste WM-Ende der italienischen Geschichte auf die Eisbahn.
Ein sieg, der ohne olympia-superstar auskommt
Die Maurice-Richard-Arena bebte, als Sighel auf der letzten Runde das Gas voll durchdrückte, Kanada links liegen ließ und Belgien die Sicht nahm. 2:36,232 Minuten stand am Ende auf der Uhr – knapp, aber souverän. Dass Fontana diesmal nur von der Tribüne applaudierte, machte den Erfolg nur süßer: Die 33-Jährige hatte ihre Nachfolger längst eingekreist.
Die Rechnung geht auf: Thomas Nadalini (23) sichert Silber über 1500 m, Elisa Confortola (23) Bronze über 1000 m, Chiara Betti (24) Bronze über 500 m – alle drei feierten ihre erste individuelle WM-Medaille. Dazu die Damen-Staffel auf Silber, die Herren-Staffel auf Bronze. Eine junge Garde, die nicht mehr nur hinterherfährt, sondern selbst vorgibt.

Die neue geschwindigkeit italiens
Die Zahlen sind gnadenlos ehrlich: 28 Jahre nach Den Haag springt Italien wieder auf sieben Podestplätze. Die letzte Saison war gut, diese ist besser. Der Olympia-Triumph von Mailand war kein Einzelfall – er war die Blaupause. „Wir haben gelernt, dass wir nicht nur von einem Star leben dürfen“, sagt Bundestrainer Roberto Serra nach dem Rennen, die Stimme noch rau vom Schreien.
Dahinter lauert die nächste Stufe: Lorenzo Previtali rutscht in der Herren-Staffel weg, doch die Sudkoreaner werden nachträglich disqualifiziert – Bronze statt Platz vier. So schnell kann sich das Blatt wenden. Und so schnell kann sich eine Nation verwandeln.

Wer jetzt zögert, verliert
Montreal war kein Abstecher, sondern eine Kampfansage an die klassischen Short-Track-Mächte. Die Niederländerin Xandra Velzeboer mag mit vier Medaillen die Königin der WM bleiben, Südkorea mag mit vier Goldesstücken das Medaillensiegerland sein – doch Italien steht mit einem Bein im neuen Kreis der Dauergastgeber.
Der Blick richtet sich nach 2025: die WM in Beijing. Dort will Nadalini seine 1.500-Meter-Silber in Gold verwandeln, dort will Betti ihre 500-Meter-Bronze vergolden. Und dort will Fontana vielleicht wieder mitfahren – nicht als Zuschauerin, sondern als Mentorin auf Kufen.
Die Kurve ist genommen. Wer jetzt aufholt, ist zu spät dran.
