Mondo duplantis kehrt nach torun zurück – und will direkt das nächste stück himmel

Am Samstag fliegt Armand Duplantis wieder nach Polen. Nicht um zu gedenken, sondern um zu erhöhen. 6,32 Meter gelten als eingepflegt, 6,40 Meter als möglich. Die Hallen-WM in Torun ist für ihn kein Rückblick, sondern eine Einladung, die Latte ein weiteres Mal in eine Höhe zu bugsieren, wo Sauerstoff knapp wird.

Der ort, an dem alles begann

8. Februar 2020, 6,17 Meter, 20 Jahre alt. Drei Zahlen, die Duplantis' Leben neu kodierten. Der schwedische Stabhochspringer hatte seinen ersten Weltrekord in eben jenem Stadion gelandet, das nun wieder Schauplatz der Titelkämpfe ist. „Das war der Moment, in dem mein Kindheitstraum Realität wurde“, sagt er knapp fünf Jahre später. Die Erinnerung klingt nicht nostalgisch, sondern wie eine Kampfansage an die eigene Statistik.

14 weitere Weltrekorde folgten, zwei Olympia-Triumphe, drei WM-Titel. Die letzte Meisterschaftsniederlage datiert aus dem Sommer 2018. Seitdem hat niemand mehr seinen Körper über eine Latte bugsieren können, ohne hinterher Duplantis zu fragen, wie viel Luft nach oben bleibt.

6,40 Meter – die irre grenze rückt näher

6,40 Meter – die irre grenze rückt näher

In Uppsala vor einer Woche riss er bei 6,31 Meter die Latte mit dem Stab – und ließ sie trotzdem liegen. Ein neuer Rekord. Der Unterschied zum alten: zwei zusätzliche Anlaufschritte, ein steiferer Carbon-Stab, mehr Energie, die sich in vertikale Höhe übersetzt. „Noch fühlt sich das leicht fremd an“, sagt er über das neue Material, „aber er trägt mehr Kraft in sich.“ Die Mathematik dahinter: mehr Geschwindigkeit, mehr Verwindung, mehr Flug.

6,35 Meter gelten intern als realistisch, 6,40 Meter als irre. Doch Irre ist relativ, wenn der Athlet selbst von „viel Spielrahr“ spricht. Die theoretische physische Obergrenze liegt bei rund 6,50 Metern. Für Außenstehende eine Zahl, für Duplantis ein Termin.

Gold ist pflicht, spannung trotzdem inbegriffen

Gold ist pflicht, spannung trotzdem inbegriffen

Die Konkurrenz wirkt wie ein Statist. Emmanouil Karalis verbesserte seinen persönlichen Rekord auf 6,17 Meter und ist damit nur zweiter der ewigen Liste – 14 Zentimeter entfernt. Die Medaille ist so sicher wie ein Newtonsches Gesetz. Trotzdem lohnt sich der Blick: Mit jedem Zentimeter über 6,32 Meter steigt nicht nur die Latte, sondern auch das Preisgeld. Sponsoren und Veranstalter honorieren Weltrekorde bar. Zentimeter für Zentimeter wandern in Duplantis' Konto, das ohnehin schon siebenstellig ist.

Parallel plant er Karriere Nummer zwei. „Feelin Myself“ heißt seine neue Single. Selbstironie inbegriffen, denn wer sich selbst auf 6,30 Meter erhebt, darf sich auch mal selbst feiern. „Wahrscheinlich nicht der beste Song beim Springen“, sagt er, „aber ich mag ihn.“

Die leichtathletik braucht ihre letzte leuchte

McLaughlin-Levrone, Bol, Lyles – alle fehlen in Torun. Das Starterfeld wirkt wie ein Abklatsch der großen Namen. Die deutsche Delegation reist mit 14 Athleten an, Prominente wie Mihambo bleiben daheim und sparen sich für Birmingham auf. Die Hallen-WM droht, ein Nebenschauplatz zu werden. Ausgerechnet Duplantis wählt diesen Ort, um sich selbst zu übertreffen.

Wenn er am Samstag durch die Halle fliegt, wird die Schwerkelle kurz entlassen. Die Latte mag bei 6,32 Meter liegen, die Grenze aber liegt woanders. Irgendwo zwischen 6,40 und der Unendlichkeit. Und während andere noch über vergangene Rekorde sprechen, plant Duplantis schon den nächsten Schritt nach oben. Die Hallen-WM in Torun ist kein Finale, sondern eine Fußnote auf dem Weg zu einem Ziel, das nur er selbst kennt.