Mazet verlässt norwegen – frankreich holt sich den biathlon-goldmacher zurück
Siegfried Mazet packt seine Koffer in Oslo. Der 48-jährige Schieß-Guru, der hinter 150 Weltcup-Siegen und 40 WM/Olympia-Titeln der Norweger steckt, fliegt heim – und zwar nicht als Tourist, sondern als neuer Zugpferd-Chef des französischen Verbands. Ein Vierjahresvertrag wartet auf ihn, wie L’Équipe bestätigt. Die Bombe platzte am Sonntag beim Saisonfinale am Holmenkollen, wo Mazet die Nachricht vorlaufen ließ: „Ich kehre zurück. In welcher Position, steht noch nicht, aber wir sind uns einig.“
Die sensation war längst kein geheimnis mehr
Im norwegischen Lager hatte sich das Gerücht seit Wochen wie Pulverschnee durch die Kabinen geschlichen. Sportdirektor Stéphane Bouthiaux und Mazet telefonierten heimlich, skypen nachts, tauschen Zahlen, Konditionspläne, Psychologen-Berichte. Frankreichs Verband hatte schon vor Tagen die Abgänge von Jean-Pierre Amat und Jean-Paul Giachino verkündet – ein Vakuum, das offenbar nur ein Franzose füllen sollte, der zuvor acht Jahre lang die Konkurrenz dominierte.
Mazets Bilanz in Norwegen liest sich wie ein Lehrbuch der Perfektion. Unter seiner Anleitung verwandelte sich ein gutes Schießteam in eine Kanone mit 97 % Trefferquote. Johannes Thingnes Bö, Tarjei Bö, Sturla Holm Lægreid – alle profitierten von seiner Detailarbeit: Atemrhythmus-Klappe, improvisiertes Herzschlag-Metronom, Munitions-Klimakammer. 40 Goldmedaillen bei WM und Olympia, 150 Weltcup-Einzel-Siege – das ist mehr als manche Nationen in ihrer Gesamthistorie zusammenbringen.

Warum jetzt und warum frankreich?
Die Antwort liegt in der DNA des französischen Sports. Seit 2016 stagniert die Équipe Tricolore im Schießen. Quentin Fillon Maillet mag zweimal Olympiasieger sein, doch die Quote von 82 % liegt im Mittelfeld. Das reicht nicht mehr, wenn der norwegische Gegner fast jeden Fehler sofort bestraft. Mazet soll die Waffe wieder scharf machen – und dabei darf er laut Verband „von Null auf Uhrwerk“ entscheiden.
Intern verlautet, dass Mazet schon beim Sommer-Trainingslager in August mitmischen will. Er plant eine Schieß-Akademie in Prémanon, Jura, mit dem Ziel, Nachwuchsathleten schon mit 16 Jahren auf internationales Niveau zu trimmen. Parallel soll er die Bundesligisten stärker einbinden, um Wettkampfdruck außerhalb der Weltcup-Kalender zu simullieren.

Die norweger reagieren gelassen
„Wir danken Siegfried für alles und wünschen ihm viel Erfolg – nur nicht gegen uns“, sagt Skischuss-Chef Per-Arne Botnan. Ersatz steht bereit: Geir Ole Steinsli, bisher Assistenztrainer, übernimmt interimistisch. Das Konzept „Mazet 2.0“ liegt längst auf dem Server, versichert Botnan. Die Frage ist nur, ob Kopien jemals das Original schlagen.
Frankreichs Verbandspresident Boris Armand zeigt sich kämpferisch: „Wir holen uns den Mann, der Norwegen groß gemacht hat, und werden damit Norwegen klein kriegen.“ Eine Ansage, die Sprengkraft hat. Die Weltcup-Saison 2026/27 könnte das Duell der Systeme werden: Norwegische Routine gegen französische Innovation.
Mazet selbst blickt entspannt. „Ich hatte das Privileg, das eine beste Team der Welt zu coachen. Jetzt darf ich das andere beste Team der Welt coachen.“ Ein Satz, der so selbstbewusst ist wie seine Athleten präzise. Frankreichs Fans jubeln bereits. Und die Gegner? Die schalten wohl wieder einen Gang höher – denn wer Mazet kennt, weiß: Er schläft nie, er zielt nur um.
