Mariano garcía: zwischen erdreich und olymp – wie ein laufmotor aus murcia die leichtathletik aufmischt

Er trinkt Cola Cao statt Sekt, kennt keine Promi-Klubs und trainiert auf einer Lehmpiste, die wie ein vergessener Filmkulisse aussieht. Trotzdem jagt Mariano García gerade die ganze Mittelstrecken-Welt. Nach Gold über 800 m bei der Halle 2022 und dem Triumph im Müncher Stadion will der 26-Jährige jetzt in Birmingham das Doppel schaffen – und gibt dabei sogar Jakob Ingebrigtsen ein Stück Angst mit.

Die piste, die hollywood heißt

„Cuevas de Reyllo“ – ein Kaff in Murcia. Dort windet sich eine 300-Meter-Ton-Runde durch Palmen und Paprikafelder. Die Anfangsbuchstaten des Namens prangen in Stein gemeißelt, fast so groß wie das HOLLYWOOD-Sign. „Alle Rekorde stehen dort, vom Training bis zum 30-km-Solo bei 38 Grad Hitze“, sagt García. Kein Kunststoff, keine Elektronik, nur ein Tacho und ein Herzschlag. Seine Coachs rechnen vor: Wer hier unter 1:46 über 800 m läuft, kann überall gewinnen. Die Rechnung ging auf – in Belgrad, in München, zuletzt in Torun.

Ein plan namens ingebrigtsen

Ein plan namens ingebrigtsen

Die 1500-m-Finalshow im polnischen Torun war kein Rennen, sondern ein Feldzug. García setzte sich nach 300 m an die Spitze, schraubte die Geschwindigkeit alle 200 m ein wenig höher und zog die Konkurrenz in den Sauerstoffschlund. „Ich habe keinen Hasen gebraucht, kein Rad, nichts. Nur meine 800-m-Schnelligkeit“, erklärt er. Am Ziel: 3:35,29 min – persönliche Bestleistung, dritte Goldmedaille in 18 Monaten. Die Botschaft an Jakob Ingebrigtsen: „Wenn er mich in den letzten Metern spürt, sollte er sich Sorgen machen.“

Die Zahlen sprechen für sich: In diesem Winter ist García der einzige Europäer, der sowohl unter 1:46 (800 m) als auch unter 3:36 (1500 m) blieb. Sein Erfolgsrezept: keine Mikro-Zyklen, keine Overdistance-Orgien, sondern Tempodauerläufe auf der Lehmpiste und Serien mit 600-m-Teilsprints, bei denen er die letzten 200 m in 25 Sekunden fliegt.

Noch kein olymp, aber ein zirkel

Die paradoxe Lücke im Palmarès: keine Olympischen Spiele. Ein Sturz im Vorlauf von Doha 2019, dann Pandemie-Pannen, dann EM-Rekorde. „Ich tausche keine Medaille gegen Olympia, aber ich will nach Los Angeles 2028“, sagt er. Die Qualifikation beginnt bereits im Mai in Oslo, wo er erstmals über 1500 m unter 3:33 laufen will. Ein Startplatz im olympischen Dorf wäre die logische Eskalation eines Laufs, der auf einem Feld in Murcia begann.

Bis dahin bleibt die Moto-Geste, sein Markenzeichen. Nach jedem Sieg dreht er imaginär das Gas auf, die Fans im Stadion übernehmen den Beat. „Die Leute kennen mich mehr für die Geste als für die Medaillen“, lacht er. Vielleicht liegt darin das Geheimnis: García gibt Tempo, nicht Rätsel auf. Wer 800 m in 1:45,11 läuft und anschließend Cola Cao schlürft, der erzählt keine Marketing-Story – der erzählt einfach sein Leben.

Am 11. August steht die Außenbahn in Birmingham. Startliste: Ingebrigtsen, Wightman, ein Spanier mit Motorradfaust. Die Uhr wird wieder einmal eine 3 vor dem Komma anzeigen. Mariano García wird wieder einmal Gas geben – und die Lehmpiste von Cuevas de Reyllo ein Stück weiter in die Welt hinaustragen.