Mainz 05 plant den nächsten millionencoup – wer geht, wer bleibt?
Mainz 05 schreibt schwarze Zahlen, spielt international und trotzdem steht der Klub vor einer Frage, die sich jeden Sommer stellt: Wen verkaufen wir diesmal? 75 Millionen Euro haben Burkardt, Gruda, Stach und St. Juste seit 2022 in die Kasse gespült. Die nächste Ader könnte 2025 eröffnet werden.

Die heimliche transferliste ist längst geschrieben
Christian Heidel betont gern, dass der FSV „nie verkaufen musste“. Das klingt entspannt, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn wer im Frühsommer nachkaufen will, muss vorher kassieren. Stefan Bell, Daniel Batz und Silvan Widmer laufen aus, Posch, Becker und Sieb sind nur geliehen. Drei Spieler haben den Marktwert, um die Lücke zu schließen: Kaishu Sano, Paul Nebel und Nadiem Amiri.
Sano gilt in Fachkreisen als bester Sechser der Liga nach Kimmich und Palhinha. 25 Jahre alt, Vertrag bis 2028, Preisschild: deutlich zweistellig. Nebel hat sich nach Tiefenphase wieder hochgearbeitet, wechselte kürzlich den Berater – klassisches Signal. Amiri ist mit 29 der Altmeister der Trio, aber noch immer ein Geber in Ballbesitz. Wer ihn holt, bekommt einen sofortigen Leistungsträger.
Der Clou: Mainz könnte alle drei behalten und trotzdem gewinnen. Die Conference League spült bereits 14 Millionen Euro ins Möwenpflaster, im April und Mai winken weitere 10,8 Millionen aus UEFA-Prämien. Ein Achtelfinal-Aus wäre also teurer als ein Sano-Verkauf. Heidel rechnet mit einem Überschuss von acht Millionen – Geld, das direkt in Neuverpflichtungen fließen kann.
Die interne Budgetplanung zeigt, wie flexibel der Klub ist. Für 2025/26 war ein Lizenzspieleretat von 52 Millionen Euro eingeplant, aktuell liegt man bei 55 Millionen. Der Trainerwechsel im Dezember und die vier Winterzugänge verteuerten die Rechnung – werden aber durch Europapokal-Einnahmen gedeckt. Ein Modell, das Bayern und Dortmund neidisch machen könnte, wenn sie die Eigenkapitalquote von 53,4 Prozent sehen.
Dennoch: Ein Anruf aus Frankfurt oder Leverkusen genügt, um die Preisliste zu öffnen. Nebels Name kursiert bereits im Umfeld der Eintracht, offizielle Gespräche gibt es laut Klubseite keine. Sano hat Angebote aus England liegen lassen, weil er „erst mal Mainz helfen“ will. Das klingt nach Loyalität, ist aber auch Taktik – der Wert steigt mit jedem Europapokal-Spiel.
Mainz steht also vor demselben Dilemma wie jeden Sommer: Verkaufen und neu erfinden – oder zusammenhalten und nach vorne gehen. Die Antwort liegt nicht in Heidels Büro, sondern auf dem Platz. Wenn die Conference-League-Reise Ende Mai endet, wissen alle Beteiligten, wie viel Spielraum wirklich im Kasten ist. Bis dahin bleibt die Kasse offen – und die Telefonleitungen heiß.
