Magdeburg zieht davon: 35:30 gegen hannover und die meisterschaft rückt näher

SC Magdeburg spielt sich in Rage, Hannover in Verzweiflung. 35:30 lautet die Ohrfeige, die der Spitzenreiter der Handball-Bundesliga am Sonntagnachmittag austeilt. Fünf Punkte Vorsprung auf Flensburg, zwölf Treffer von Omar Ingi Magnusson, eine Schlussphase, die die Getec-Arena zum Kochen bringt – das ist kein Sieg, das ist ein Statement.

Die 51. minute war der moment, als hannover zusammenbrach

Bis dahin war alles offen. 29:28 für Magdeburg, TSV-Coach Michael Biegler tobt an der Seitenlinie, seine Abwehr wirkt wie ein Sieb. Dann kommt der Lauf: Gisli Kristjansson trifft aus dem Rückraum, Magnusson verwandelt das 31:28, plötzlich liegen vier Tage zwischen den Teams. Hannover wirft sich noch einmal heran, doch die Maschine läuft. Letztlich steht ein 35:30 auf der Anzeigetafel, und die Magdeburger Fans skandieren „Wir werden Meister!“ – noch im Februar klang das wie Hybris, heute wie eine Feststellung.

Die Zahlen sind gnadenlos: Magdeburg gewinnt die zweite Halbzeit mit 18:13, verwandelt 92 % der Siebenmeter, kassiert in der Schlussphase nur noch zwei Gegentore. Hannover dagegen verliert zum dritten Mal in Folge, bleibt auf Platz neun stecken und muss um die Europacup-Plätze zittern. „Wir haben die Kopfhörer aufgesetzt, aber das Spiel gehört uns nicht mehr“, sagt TSV-Kapitän Mads Mensah Larsen nach Abpfiff. Die Worte klingen wie ein Epitaph.

Champions-league-kater? fehlanzeige

Drei Tage zuvor hatte Magdeburg gegen Barcelona den ersten CL-Fehltritt kassiert, 26:32 in der Audi-Öffentlichkeit. Viele erwarteten nun einen mentalen Knick. Stattdessen liefern die Sachsen-Anhalter eine Lehrstunde in Effizienz. „Wir haben die richtigen Fragen gestellt und sofort geantwortet“, sagt Coach Bennet Wiegert, der seine Mannschaft in nur 48 Stunden umprogrammiert hat. Der Schlüssel: frühes Umschaltspiel, konsequente 3:2:1-Deckung, ein Magnusson, der seine Isländer-Kollegen in den Schatten stellt.

Die Tabelle lügt nicht: Magdeburg hat 38:8 Punkte, Flensburg 33:8. Die Saison ist noch lang, aber die Luft für die Verfolger wird dünner. „Wir wollen die Meisterschaft nicht mehr hergeben“, sagt Linksaußen Matías Sánchez und meint es ernst. Nächste Woche geht’s nach Gummersbach, dann kommt Berlin – ein Programm, das nach vorne spuckt. Hannover muss dagegen nach Melsungen, wo die HSG ebenfalls um die Euro-League kämpft. Die Saison wird für die Niedersachsen zur Zitterpartie.

Magdeburg feiert, Hannover verzweifelt. Die Handball-Bundesliga bekommt ihren ersten Meister-Kandidaten, der keinen Millimeter nachlässt. Die Getec-Arena tobt, die Konkurrenz zittert. Und irgendwo in Reykjavík sitzt ein 25-Jähriger, der gerade die beste Saison seines Leben spielt – und seine Mitspieler mit jedem Tor ein Stück näher an den Titel schießt. Die Meisterschaft? Die ist längst keine Frage mehr, nur noch eine Frage des Wann.