Rhinos knabbern am pokal, bulls beißen zuletzt – 70:77 im frankfurter finale

Sie lagen beim 30:40 zur Pause schon auf dem Tisch, kämpften sich aber zurück – und scheiterten 43 Sekunden vor Schluss. Die Rhine River Rhinos aus Wiesbaden verpassten im hessischen Frankfurt den ersten Pokalsieg ihrer jungen Rollstuhlbasketball-Geschichte, unterlagen den Thuringia Bulls aus Elxleben mit 70:77.

Ein viertel rettete nichts, weil die bulls vorher zwei spielten

Die Zahlen sind gnadenlos: 16 Ballverluste, 9 von 24 aus der Distanz, nur zwei Rhinos im zweistelligen Punktebereich. Dennoch bogen sie ein 12-Punkte-Loch in einen 62:62-Ausgleich, als Top-Scorer Jonas Bergmann (18 Punkte) zwei Freiwürfe versenkte. Die Halle am Main dampfte, die 1.200 Zuschauer glaubten an den Außenseiter-Coup.

Dann kam Thüringens Nationalstürmer Tobias Hein: Drei, Drei, Lay-up – 70:65. Die Rhinos antworteten mit einem Luftwurf, verloren anschließend den Sprungball und kassierten den Korb zum 72:70. Zeitstrafe. Aus. Die Bulls feierten ihren dritten Pokal innerhalb von fünf Jahren, die Rhinos schlurften in die Kabine, wo man erst mal 15 Minuten schwieg.

Vom samstagssprint zum sonntagsmarathon

Vom samstagssprint zum sonntagsmarathon

Ein Tag zuvor hatten die Hessen die Iguanas München mit 69:44 weggespült, beinahe wie auf dem Trainingsplatz. Das Finale war ein anderes Format: Tempo 90, Pressing über volle 40 Minuten, jeder Fehler sofort auf der Anzeigetafel. „Wir haben die Bulls länger wach liegen lassen als jeder andere Gegner diese Saison“, sagte Co-Trainerin Lisa Korn, „nur länger reicht eben nicht.“

Die Konsequenz: Trotz des zweiten Platzes steht die Mannschaft vor einem Sommer voller Personalfragen. Kreuzband-Ausfall bei Center Felix Neubert, auslaufende Verträge bei zwei Rotationsspielern, und die Bundesliga startet bereits im September. „Wir wollen nicht das ewige Versprechen sein“, erklärte Kapitän Tom Albrecht, „sondern endlich Titel holen.“

Für den Sportverbund Hessen zählt indes ein anderer Wert: Zuschauerrekord im Rollstuhlbasketball-Pokal. Mehr als 4.500 Leute verfolgten das Final-Four-Wochenende live, die HR-Sendung knackte um 15:00 Uhr die Millionen-Marke in der Mediathek. Das Image des „kleinen“ Sports wächst – auch wenn der Pokal diesmal in Thüringen weiterreist.

Die Rhinos werden ihn vom Fernsehsessel aus verfolgen müssen. Die Saison ist vorbei, die Wunden offen, die Erkenntnis schmerzhaft: Man kann auch mit 70 Punkten verlieren, wenn die Gegenseit 77 wirft. Die Bullen feiern, die Rhinozerosse schnauben – und der Countdown für 2027 läuft schon.