Jena stürmt zurück: lok leipzig verspielt führung in letzter minute
Ein Match, das in Leipzig schon nach der Pause als gelaufen galt, endet als Debakel: Carl Zeiss Jena dreht beim 1. FC Lok ein 0:1 in ein 2:1 und schickt damit nicht nur die Probstheidaer in die nächste Mini-Krise – sondern auch eine ganze Region in helle Aufregung.
Längst hatte Stefan Maderer mit seinem Kopfballtreffer die Gastgeber in Front gebracht. Die Gäste wirkten ideenlos, der Rasen wirkte größer als je zuvor. Doch ein Wechsel riss das Spiel in zwei Hälften: Kevin Lankford, erst sieben Minuten auf dem Feld, versenkte einen Freistoß aus 25 Metern. Sekunden später schon stand Jena am Drücker, und als Emeka Oduah in der 84. Minute den Ball aus fünf Metern versenkt, war das Bruno-Plache-Stadion kurz vor dem Kollaps.
Trainer Volkan Uluc sprach nach Abpfiff von „Charakter pur“, während Lok-Coach Jochen Seitz die Fehler bei zwei Standardsituationen „einfach nicht erklären“ konnte. Die Zahlen sind gnadenlos: Seit fünf Spielen wartet Lok auf einen Dreier, Jena dagegen hat den Rückstand auf Spitzenreiter Probstheida auf sieben Punkte verkürzt – bei noch zwei Partien in der Hand.
Der moment, der alles veränderte
Die 48. Minute. Lankford schlenzt den Ball über die Mauer, Andreas Naumann streckt sich vergeblich. Die Leipziger Abwehr steht wie versteinert, das Publikum verstummt. In dieser Sekunde wird klar: Wer den Titel will, darf nicht einmal fünf Minuten nachlassen. Lok leistete sich 45.
Was folgte, war ein offener Schlagabtausch. Adetula scheitert, Öztürk zieht ab, Naumann pariert. Auf der Gegenseite trifft Talabidi den Pfosten, bevor Oduah den Abpraller versenkt. Die letzten zehn Minuten gleichen einem Boxkampf auf Augenhöhe – nur dass Jena die letzte Faust setzt.

Die tabelle lügt nie
Mit 52 Punkten liegt Jena nun punktgleich mit Lok, hat aber die bessere Tordifferenz und zwei Spiele weniger absolviert. Die Leipziger müssen nach dieser Niederlage nicht nur sportlich umdenken, sondern auch psychologisch. Dreht man den Blick auf die restliche Saison, wird schnell klar: Der direkte Wiederaufstieg ist für Lok nur noch rechnerisch möglich.
Für Jena hingegen beginnt jetzt die heiße Phase. Gegen die Spitzenreiter aus Probstheida fehlen noch sechs Punkte – zwei Siefe, ein Unentschieden, und die Thüringer könnten sogar vorbeiziehen. Die Regionalliga Nordost bleibt das spannendste Rennen Deutschlands.
Am Sonntag empfängt Jena die BSG Chemie Leipzig – das Nachbarduell, das nun plötzlich zur Vorentscheidung wird. Lok muss nach Babelsberg, wo bereits die nächste Bringschuld wartet. Wer jetzt zittert, verliert. Wer zupackt, träumt vom großen Coup.
