Zenhäusern steht am scheideweg: rücktritt oder comeback?
Ramon Zenhäusern schaffte es in Kitzbühel nur auf Rang 24 – und damit nicht einmal mehr in die Punkteränge. Für den einstigen Seriensieger ist das mehr als eine Niederlage, es ist das Signal, dass seine Zeit als Weltcup-Routinier abläuft. «Jetzt geht es um die Karriere», sagte er schon nach der verpassten Olympia-Quali. Nun ist die Entscheidung gefallen: Entweder er beendet seine Laufbahn – oder Swiss-Ski hebt ihn per Trainer-Votum über die eigene Härtefallklausel.
Die regel ist klar – nur die gefühle zählen
Seit 2022 gilt im Verband die Alters-Top-30-Klausel: Wer älter als 29 ist und außerhalb der Weltspitze landet, fliegt raus. Zenhäusern ist 33 und aktuell 34. der Slalom-Weltrangliste. Eigentlich ein klarer Fall. Doch Slalom-Chef Matteo Joris blockiert: «Ich würde einen so routinierten Athleten wie Ramon nicht fallen lassen.» Er verweist auf die zweitschnellste Laufzeit im zweiten Durchgang von Adelboden – eine Momentaufnahme, die Joris als Beweis werten will, dass der Walliser «noch einmal zurückkommen kann».
Die Argumentation hat Hand und Fuß, denn hinter Lukas Fürholz, Loïc Meillard & Co. rührt sich im Schweizer Nachwuchs wenig. Wer soll die Nation in den engen Torstangen vertreten, wenn der Olympia-Zweite von 2018 aufgibt? Hans Flatscher, Alpinchef von Swiss-Ski, erhöht deshalb den Druck auf die Selektoren: «Unabhängig vom Kaderstatus werden wir Wege finden, Ramon zu unterstützen.»

Vertrag bis 2025 – doch der kopf muss mitspielen
Zenhäusern besitzt noch einen Vertrag bis zur Saison 2024/25, doch Papier zählt wenig, wenn die Motivation fehlt. Nach dem Aus in Kitzbühel sprach er offen vom «Rücktritt» als «Option». Die Worte klangen nicht wie ein Bluff, sondern wie die Erschöpfung eines Athleten, der zwischen 2018 und 2023 sechs Weltcupsiege feierte, sich aber seit seinem Kreuzbandriss 2021 quält. Die Zahlen sind gnadenlos: In 18 der letzten 25 Slaloms schaffte er keinen Top-15-Platz.
Dennoch steht die Entscheidung noch aus. In den nächsten Woclen führt Swiss-Ski die Saison-Gespräche. Dort wird nicht nur über Budgets und Material gesprochen, sondern auch darüber, ob Zenhäusern bereit ist, sich wieder in die Schmerzmaschine Alpin-Slalom zu stürzen. Joris glaubt fest daran: «Er kann im nächsten Winter wieder aufs Podest.» Ob der Athlet dieselbe Überzeugung teilt, entscheidet sich in einem Konferenzzimmer statt auf der Piste – und das ist vielleicht das Schwerste überhaupt.
Die alpine Welt blickt nach Davos, nicht nach dem Gipfel, sondern nach dem Büro von Swiss-Ski. Dort wird bald unterschrieben – oder ein Abschied eingeleitet, der selbst die stärksten Skifans verstummen lässt.
