Magdeburg gegen berlin: das 45-minuten-endspiel um die meisterschaft
Samstag, 16.05 Uhr, Getec-Arena – da wird der deutsche Handballmeister fallen. Keine Theorie, kein „vielleicht“, sondern eine klare Rechnung: Gewinnt SC Magdeburggegen die Füchse Berlin, ist der Vorhang zu. Sechs Punkte Vorsprung, noch fünf Spieltage, dann dürften selbst die letzten Optimisten im Osten der Hauptstadt die Korken stecken lassen.
Die Füchse reisen mit neun Siegen im Gepäck an, doch das ist nur die Schale. Im Kern schwelt eine Saison, die sich für sie auf zwei Sätze reduziert: Entweder sie gewinnen in der Elbestadt – oder sie verabschieden sich aus dem Titelrennen und müssen plötzlich hinter die Schulter schauen, wo Flensburg nur einen Punkt entfernt auf die Champions-League-Plätze lauert. „Letzte Chance auf Spannung im Titelkampf“, nennt das Pascal Hens, der frühere Nationalstar, beim Namen, was alle denken.
Die beste abwehr trifft auf den schärfsten angriff
668 Gegentore standen bisher gegen Magdeburg – Liga-Bestwert. 899 Tore schossen die Berliner – Liga-Bestwert. Zahlen, die klingen wie ein Computerspiel auf höchstem Schwierigkeitsgrad. „Das wird eng und hart“, prophezeit Alfred Gislason, Bundestrainer und langjähriger Bundesliga-Kenner. Er weiß: Wenn Mathias Gidsel und Co. ihre Tempogegenstöße aufziehen, kann selbst eine verschlossene Wand einbrechen.
Doch die Wand ist rot-weiß, steht in Magdeburg und heißt Getec-Arena. 4.500 Menschen, die sich an diesem Nachmittag wie 8.000 anhören werden. „Der achte Mann“, sagt Hens und meint damit nicht die Anzahl der Rückraumspieler, sondern den Pulsschlag auf den Rängen. Dort, wo die Handball-Liebe so laut ist, dass selbst das ARD-Mikrofon im Liveton dröhnt.

Die geister vom hinspiel und die versteckte pokal-falle
Beim 39:32 im Oktober lief Berlin noch unter Schock – Trainer raus, Manager raus, Chaos pur. Mittlerweile hat Nicolej Krickau die Füchse wieder auf Trab gebracht. Trotzdem: Die Erinnerung an die Demontage schmerzt. Und noch mehr schmerzt der Blick auf den Kalender. Mitte April treffen sich beide Klubs im DHB-Pokal-Final Four erneut. Und sollten sie in der Champions League das Viertelfinale überstehen, droht ein Remake des Vorjahresfinales in Köln. Magdeburg gegen Berlin – das könnte die Serie werden, die diese Saison definiert.
Doch zuerst Samstag. Für Magdeburg geht es ums Frühstücken aus der Schale der Meisterschaft. Für Berlin ums Letzte, was ihnen geblieben ist: die Selbstaufgabe, die sie seit Wochen verweigern. „Alle wissen, dass es um viel geht“, sagt Hens. Und das ist die größte Wahrheit dieser Woche. Wer 16.05 Uhr einschaltet, bekommt kein Handball-Spiel, sondern 60 Minuten pure Entscheidung. Danach entweder rote Meister-Konfetti oder ein offenes Rennen bis zum letzten Atemzug. Es liegt an Berlin, welches Bild die Kamera einfängt.
