Machtkampf ums sportfördergesetz: athleten sausen dosb-entwurf an

Das neue Sportfördergesetz ist noch nicht einmal im Kabinett, da eskaliert der Streit. Athleten Deutschland spricht von „schockiert“, der DOSB plant einen juristischen Kraftakt – und die Politik schaut erstmal zu.

Das ringen um die milliarden-verteilung beginnt neu

Der Referentenentwurf, den Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) am Mittwoch an die Länder verschickte, liest sich auf den ersten Blick wie ein Kompromiss: Der Deutsche Olympische Sportbund bekommt mehr Sitze im künftigen Stiftungsrat, künftig braucht die Doppelspitze der geplanten Spitzensportagentur ein einstimmiges Votum – also auch das Okay des DOSB. Doch die Augenhöhe, die der Verband lauthals fordert, hat einen Haken: Die Athleten bekommen kein eigenes Stimmrecht.

Pia Greiten, Präsidentin von Athleten Deutschland, reagiert mit seltener Schärfe: „Unabhängige Athletenvertretung ist im deutschen Sportsystem weiterhin nicht erwünscht.“ Der Vorwurf: Das Gesetz verfrüht sich in Selbstverwaltungsrituale, statt die Sportler in den Mittelpunkt zu rücken. Der Verband, der 2017 aus Protest gegen die DOSB-Doppelrolle als Lobbyist und Geldverteiler gegründet wurde, fordert seit Jahren ein Vetorecht für Athleten – und kassiert nun eine Abfuhr.

Münchner machtpoker im hinterzimmer

Münchner machtpoker im hinterzimmer

Was kaum jemand bemerkte: Parallel zur offiziellen Begutachtung treibt der DOSB eine heimliche Initiative voran. Mehrere Parlamentarier bestätigten der Sportschau, dass der Verband prüft, die künftige Agentur komplett unter sein Dach zu hieven. Begründung: Nur so könne man „Unabhängigkeit garantieren“. Klingt paradox, ist aber strategisch klug. Geht der Plan durch, bliebe der DOSB sowohl Geldgeber als auch Kontrolleur – genau das, was der Bundesrechnungshof seit Jahren beanstandet.

Quelle der Idee: Bayern. In einer internen Mail, die dem Portal „Sport & Politics“ vorliegt, spricht der DOSB explizit von „Unterstützung im sportpolitischen Umfeld in Bayern“. Markus Söder hatte sich erst vor wenigen Tagen in der „Bild“ für „größtmögliche Entscheidungsfreiheit der Sportverbände“ ausgesprochen. München ist einer von vier Kandidaten für eine deutsche Olympiabewerbung 2036 bis 2044. Zeitpunkt des Vorstoßes: kein Zufall.

Die nächste schlacht steht bevor

Die nächste schlacht steht bevor

Nächste Woche Mittwoch will das Kabinett den Entwurf verabschieden, danach beginnt der parlamentarische Tanz. Der Bundesrat wird einlenken müssen, der Bundestag wird streiten. Und die Athleten? Die schicken sich bereits für den nächsten Schlagabtausch. „Wir werden uns im Parlament Gehör verschaffen“, kündigt Greiten an. Die Drohung: Sollte das Gesetz in dieser Form passieren, könnten Athleten Deutschland vor das Bundesverfassungsgericht ziehen – mit dem Argument, das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit werde verletzt, wenn Sportler über ihre eigenen Mittel mitreden dürfen.

Die Bilanz nach Jahren des Debattierens: Mehr Geld fließt denn je in den deutschen Spitzensport, die Medaillen-Ausbeute sinkt. Und das System, das diese Diskrepanz produziert, wird gerade neu verpackt. Die Frage ist nicht mehr, ob es Reformen gibt. Die Frage ist: Wer kriegt das Heft in der Hand – und wer wird leer ausgehen?