Odermatts albtraum: brasilianer jagt ihn in heim-wm – 47 punkte reichen
Marco Odermatt fliegt als Speed-König nach Lillehammer, aber die eigentliche Schlacht steht im Riesenslalom an. 47 Punkte Vorsprung auf Lucas Pinheiro Braathen – klingt nach Polster, ist in Wahrheit ein Seil um den Hals. Vier Mal hintereinander landete der Brasilianer auf dem Podest, zuletzt mit Sieg in Kranjska Gora. Wiederholt sich das Bild vom 24. März, geht die Kristallkugel an den Mann, der für Norwegen geboren, für Brasilien startet und gerade Olympia-Gold um den Hals trägt.
Training auf speed-pisten – ein risiko mit geschichte
Odermatt probte gestern zwischen zwei Abfahrtsläufen ein paar Schwünge auf der Speed-Strecke von Kvitfjell. „Besser als nichts“, sagt er, aber die Wahrheit ist: Seit Jahren haben die Organisatoren die Technik-Rennen nach Hafjell verlagert. Die Piste liegt 20 Kilometer entfernt, hat andere Falllinien, andere Schatten, andere Kanten. Der Schweizer kennt das Prozedere – und hasst es. 2019 verlor er hier die Kugel an Henrik Kristoffersen, weil er zwei Tage vorher noch Super-G fuhr. Die Geschichte droht sich zu wiederholen.
Die Rechnung ist simpel: Pinheiro Braathen muss gewinnen, Odermatt fünfter werden. Dann reicht sogar Platz zwei für den Brasilianer, wenn der Superstar außerhalb der Top-7 landet. Die Form spricht für den Jäger: 340 Punkte in den letzten vier Riesenslaloms, Odermatt kam auf 235. Der Druck sitzt beim Favoriten, nicht beim Außenseiter.

Slalom-finale: mcgrath jagt erste krone – und seine dämonen
Ein Tag später wird Atle Lie McGrath die Ziellinie von Hafjell als Befreiung oder Albtraum kreuzen. 41 Punkte Vorsprung auf Pinheiro Braathen, 77 auf Clément Noël. Die Mathematik klingt komfortabel, die Erinnerung nagt. In Bormio lag er nach dem ersten Lauf vorne, dann rutschte ein Ski weg, Sekundenbruchteile später war die Olympiamedaille weg. Er lief ins Waldstück, ließ Gold liegen, lief und lief, bis die Kameras abbrachen. Nun steht er vor der Chance, sich mit der kleinen Kugel zu heilen. Pinheiro Braathen hat sie schon einmal gewonnen, McGrath noch nie. Wer den Samstag überlebt, bestimmt die Geschichte des Mittwochs.
Die Norweger haben Heimrecht, aber keine Garantie. Die Temperaturen klettern auf plus acht Grad, der Schnee wird weich, die Kanten schlucken Kraft. Wer zuerst die Geduld verliert, verliert alles. Odermatt jagt seine 17. Kugel, McGrath die erste. Pinheiro Braathen könnte zwei abstauben. Die Saison endet mit einem Doppel-Duell – und einem einzigen Sieger, der am Ende lacht. Die Uhr tickt, die Welt schaut. In Lillehammer zählt nur, wer die letzte Biegung übersteht.
