Luna feiert ihren stimmenmagier: tennis-legende castillo bekommt mega-sportkomplex
Ein Schlag auf die gelbe Filzkugel, und ganz Spanien wusste: „¡Entró, entró!“ Diesen legendären Fernseh-Satz erfand Juan José Castillo, der in den 70ern das Tennis-Reporting revolutionierte. Jetzt hat seine Heimatgemeinde Luna (Zaragoza) dem Reporter, der 1921 das Licht der Welt erblickte und 2001 für immer verstummte, ein riesiges Sportareal gewidmet – 32 Disziplinen unter einem Dach, das künftig seinen Namen trägt.
Die stimme, die einem dorf weltruhm schenkte
Der Bürgermeister, Miguel Casajús, zog die aragonesische Fahne beiseite, enthüllte den Stein mit der Prägung „Espacio Polideportivo J. J. Castillo“ und musste schlucken. „Wir haben einen unserer Söhne nach Hause geholt“, sagte er, während die Ovationen über den Tennisplatz schwappten, auf dem Castillo selbst einst gegen die Wand schlug. Die Idee war einem Artikel im Heraldo de Aragon entwachsen – Reporter Arturo Sisó stachelte Casajús an, endlich Ehre zu geben, wo Ehre fällig ist.
Castillos Tochter María José führte die Familie an, gefolgt von Kollegen, die mit ihm noch durch Lautsprecher flüsterten: Tomas Guasch, Manuel Tarín, José María Casanovas, Alfredo Relaño. Sie alle wussten, dass der Mann aus der kleinen Steinstreußensiedlung nicht nur Tennis erfand, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der man über Sport erzählt. Seine erste Schreibmaschine klapperte mit 16 Jahren im Amanecer de Zaragoza – eine Kindheit neben der Poststelle seines Vaters, die heute noch in Luna steht und bei der Gedenkfeier Pflichtprogramm war.

Vom dorfplatz zum centre court
In der Casa de Cultura schüttelten Marisa Castillo und Tomás Samper Erinnerungen aus dem Ärmel: Wie der Reporter trotz Terminkalender voller Grand-Slam-Finals nie eine Patronatsmesse versäumte. Wie er bei Volksessen den Wein ausschenkte und dabei die Kamera laufen ließ. Wie er vor der Virgen de Monlora den Hut zog – und danach live aus Roland Garros sprach. Videos von Manuel Orantes, José Ángel Iribar und José María García untermauern, was die Redner nicht in Worte fassen mussten: Castillo war ein Mikrofon mit Herzschlag.
Der neue Sportkomplex bietet Hallen für Schwimmen, Basketball, Futsal, Fronton, Tischtennis, Padel, Boule – und natürlich Tennis, jene Sportart, deren Bälle er mit seiner Stimme schneller machte als jedem Zuschauer bewusst war. 62 Jahre Berufsleben, 32 Sportarten, ein einziger Satz, der in die Geschichte einging. Luna hat ihn nicht nur gewürdigt – sie hat ihn zurückgeholt auf den Platz, wo alles begann.
