Lukas mertens feiert 30. geburtstag mit 100-treffer und 10.000 stimmen

Lukas Mertens kam, sah und schlug – dreimal ins ägyptische Netz, einmal in die Herzen von 10.000 Fans. Der Magdeburger Linkshänder hatte am Mittwochabend in Bremen nicht nur seinen 30. Geburtstag, sondern auch die Rettung des DHB-Teams in der Hand.

Die Ägypter hatten den 19:13-Pausenstand schon auf 29:28 gedreht, als Mertens in der 48. Minute eintraf. Vier Würfe, vier Treffer – das Protokoll liest sich wie ein Geburtstagszettel, den sich kein Statistiker ausdenkt. „Ich bin rein, hab geschaut und gedacht: Jetzt reicht’s“, sagte er nach dem 34:33, während die Arena „Happy Birthday“ skandierte und die Familie auf der Tribüne Tränen wischte.

Brownies, kempa, jubel – der perfekte dreiklang

Morgens gab es Schokobrownies vom Teamkoch, abends einen Kempa mit Renars Uscins. Dazwischen lagen 60 Minuten Eigendynamik, die Mertens mit einem Dreher zum 26:23 abstrahlte. „Der Ball lag genau richtig in der Hand“, sagte er, als hätte er den Wurf schon tausend Mal im Kopf geprobt. Dabei war er ursprünglich nur als Joker eingeplant – bis Ägypten die deutsche Abwehr auseinander nahm und Bundestrainer Alfreð Gíslason die Notbremse zog.

Die Nordafrikaner nutzten die erste Halbzeit, um sich an der desten Kabine zu vergreifen. „Die haben richtig Lärm gemacht“, berichtet Mertens, „und sind zurückgekommen wie ausgewechselt.“ Doch der Vorsprung war größer als ihre Moral – und Mertens’ linker Arm schneller als jede ägyptische Abwehrrotation.

100 Kilometer bis nach hause – und keine lust auf kuchen

100 Kilometer bis nach hause – und keine lust auf kuchen

Wilhelmshaven liegt 100 Kilometer westlich von Bremen. Für Mertens war die Anreise nach dem Abpfiff nur eine kurze Familienfahrt. „Meine Eltern warten mit Schnitzel, nicht mit Kerzen“, lacht er. 30 Jahre, 204 Länderspiele, 654 Treffer – die Kerzen würden ohnehin nicht reichen.

Am Freitag geht’s nach Kiel, wo das zweite Testspiel steigt. Mertens wird wieder auf der Bank beginnen, aber keiner wird ihn abschreiben. „Wenn du 30 wirst und vier Tore machst, bist du nicht alt – du bist einfach pünktlich“, sagt er und zieht sich die Kapuze über den verschwitzten Kopf. Dann steigt er in den Bus, der Richtung Heimat rollt. Die Brownies sind aufgegessen, der Sieg eingepackt, das Lied der Fans noch in den Ohren. Ein Geburtstag, der keinen Wunsch offen lässt – außer vielleicht den, dass nächstes Mal schon vor der Pause angepfiffen wird.