Llorente knallt zurück: von der wm-sperre zur rechten startelf 2026
Am 6. Dezember 2022 lief Marcos Llorente durch die Nacht von Al-Rayyan, 120 Minuten lang, als hätte er nichts verpasst. Dabei war er bis dahin der große Abwesende gewesen – null Minuten in der Vorrunde, null Berücksichtigung, null Perspektive. Spanien schied gegen Marokko aus, Llorente blieb als letzter Spanier auf dem Rasen stehen. Drei Jahre später steht er wieder vor der Startelf, diesmal als Fixpunkt auf der rechten Seite.
Der schnitt, der alles veränderte
Luis Enrique war weg, Luis de la Fuente kam – und Llorente war plötzlich nicht einmal mehr ein Name auf dem Zettel. Weder als Rechtsverteidiger noch als Sechser passte er ins Raster des neuen Trainers. Monatelang hing er in der Luft, während Pedro Porro und Juan Foyth die Lücke füllten. Die EM 2024 rückte näher, Llorente saß zu Hause. Die Nicht-Nominierung gegen Irland war die Demütigung, die er brauchte. Statt zu maulen, schaltete er einen Gang höher.
Atlético spürte den Schub zuerst. In der Rückrunde 2023/24 lief er 33-mal auf, erzielte vier Tore, legte sieben auf. Die Statistik war laut, das Gesicht entspannt. De la Fuente nahm das Handy, tippte „Llorente“ in die Notiz-App und ließ den Namen dort liegen – bis Carvajal im Oktober die Kreuzbänder rissen. Eine Viertelstunde in Georgien reichte, um den alten Funken wieder zu entzünden. Zwei Starts, zwei Siege, zwei Vorlagen. Die Botschaft: Ich bin nicht zurück, ich bin neu.

Der rechte flügel ist sein revier
Der Unterschied zum Frühjahr 2022: Llorente spielt nicht mehr auf Biegen und Brechen. Er spielt, weil er der Schnellste ist im engen Raum, weil seine Innenverteidigung den Ball in den Lauf legt und er binnen zwei Sekunden 30 Meter abreißt. De la Fuente nennt ihn „polyvalent“, was Trainerdeutsch ist für: Er macht das, was ich gerade brauche. Gegen Georgien vertändelte er zweimal den Ball, bevor er mit einem Hackentrick das 3-0 einleitete. Die Mischung aus Irritation und Klasse ist sein Markenzeichen.
Die Konkurrenz schaut. Porro liefert bei Tottenham Tore und Assists, aber seine Defensive wackelt. Mingueza ist in Celta die Felsenvariante, fehlt aber im Spiel nach vorne. Llorente vereint beide Seiten – und hat zusätzlich die WM-Trauer im Gepäck. „Ich weiß, wie schnell es vorbei ist“, sagte er nach dem Kosovo-Spiel. Die Erfahrung schwingt mit, genau wie der Groll. Wer einmal 120 Minuten in der Wüste rannte, fürchtet kein Gruppen-Spiel in Mexiko-Stadt.
Die Zahlen sprechen für ihn: In den letzten zehn Länderspielen kam er auf 827 Minuten, davor nur 191. Seine Laufdistanz pro Spiel liegt bei 11,4 Kilometern – Spitzenwert im Kader. De la Fuente mag keine Sprüche, er mag Laufwege. Llorente liefert sie. Und er liefert sie genau dort, wo Spanien 2022 das WM-Aus kassierte: auf dem rechten Verteidigerfleck.
Der Weg zum 26er-Kader für die WM 2026 ist kein Zauber mehr, sondern eine Frage der Form. Die Tageszeitung „As“ setzt ihn bereits auf Platz eins der rechten Seite. Die Wette: Wer gegen Georgien und Kosovo erste Sahne war, wird gegen Brasilien und Argentinien nicht nachlassen. Llorente selbst sagt nicht viel. Er läuft – und lässt die Beine sprechen. Drei Jahre nach der Null-Minuten-Hölle von Katar hat er den Ball zurück. Diesmal will er ihn nicht mehr hergeben.
