Leverkusen zieht alajbegovic zurück: 18-jähriger wird zum zukunftspoker
Kerim Alajbegovic kehrt. Nicht als verlorene Hoffnung, sondern als gestählter Leistungsträger. Bayer Leverkusen holt den 18-jährigen Bosnier aus Salzburg zurück – und schlägt damit eine Transfer-Variante, die man sich vor einem Jahr selbst einbaute, kurz vor WM-Qualifikation ein.
Die klausel zahlt sich aus
Die Ablöse bleibt offiziell ungenannt, doch interne Kreise sprechen von einer Rückkaufoption, die deutlich unter den 15 Millionen lag, die Salzburg im Vorjahr zahlte. Für Leverkusen ein Schnäppchen, für Alajbegovic ein Befreiungsschlag: In Österreich avancierte er vom Bankdrücker zum Europa-League-Stammkraft, absolvierte alle zwölf Gruppenspiele, erzielte dabei zwei Tore und bereitete drei weitere vor. Die Zahlen wirken bescheiden – bis man sein Spielfeld betrachtet: 81 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der offensive Mittelfeldspieler, kein Salzburger lag höher.
Simon Rolfes schwärmt: „Kerim hat die Erwartungen nicht nur erfüllt, er hat sie pulverisiert.“ Klingt nach PR-Sprech, doch hinter den Kulissen war Leverkusen längst wieder im Takt. Scouts begleiteten jeden Salzburg-Auftritt, Analysten erstellten Sondervideos, die sportliche Leitung berechnete die Marktwert-Kurve. Das Ergebnis: Ein Fünfjahresvertrag, ein Gehaltssprung auf rund vier Millionen Euro brutto – und eine Startelf-Garantie, die in der Öffentlichkeit nie so genannt wird, aber intern verankert ist.

Elfmeter-kälte als visitenkarte
Am Donnerstag lieferte Alajbegovic den emotionalsten Beweis. Playoff-Halbfinale gegen Wales, 0:0 nach 120 Minuten. Elfmeterschießen. Bosnien-Herzegowina liegt nach drei Versen zurück. Schritt eins: Alajbegovic, zuckersüß links unten. Schritt zwei: Wayne Hennessey kratzt, aber zu spät. Schritt drei: 4:2 – Bosnien steht im Finale gegen Italien. Die Bilder gehen um die Welt, Leverkusen jubelt still mit: Der eigene Spieler wird zum Nationalhelden, Marktwert steigt, Medienwert explodiert.
Doch die Rückkehr birgt Risiken. Leverkusen startet mit Xabi Alonso in die nächste Saison, und der Trainer setzt auf ein 3-4-3, das hohe Laufleistung fordert. Alajbegovic muss sich gegen Florian Wirtz, Jonas Hofmann und Amine Adli durchsetzen – ein interner Wettkampf, der laut Leistungsdaten härter ist als jede Europa-League-Gruppe. Hinzu kommt: Die Bundesliga ist schneller, die Zweikämpfe rauer, die Medienaufmerksamkeit größer. Salzburg war ein Schlaraffenland, Leverkusen wird zur Bewährungsprobe.
Die Bosse um Rolfes wissen das. Sie haben nicht nur einen Spieler geholt, sondern auch eine Botschaft versendet: Leverkusen will nicht nur Talente entwickeln, sondern auch zurückholen, wenn die Reife erreicht ist. Ein Modell, das Bayern München seit Jahren perfektioniert – nun also auch am Rhein. Die Frage ist nicht, ob Alajbegovic spielt, sondern wann er spielt. Und ob er den Druck erträgt, den er selbst mit dem Elfmeter gegen Wales erzeugt hat.
Am Dienstag folgt das nächste Kapitel. Rom, Stadio Olimpico, Bosnien gegen Italien. Ein Ticket für die WM in den USA, Mexiko und Kanada 2027 steht auf dem Spiel. Alajbegovic wird wieder dabei sein – und Leverkusen wird wieder zusehen. Denn je weiter er kommt, desto teurer wird er. Die Klausel war nur der Anfang.
