Lennart karl verpasst nagelsmann-anruf – und wird trotzdem zum wm-hoffnungsträger

Er saß über den Gleichungen einer Elfmeter-Statistik, als sein Telefon vibrierte. Am anderen Ende: Julian Nagelsmann. Der 18-jährige Lennart Karl nahm nicht ab – und wurde trotzdem nominiert. Die Geschichte klingt wie ein Schulmärchen, ist aber der Beginn einer möglichen WM-Sensation.

Der anruf kam in der nachhilfe – die antwort erst fünf minuten später

„Ich dachte, es ist mein Kumpel“, sagt Karl im Interview mit TSV Pelkum Sportwelt. „Aber dann stand plötzlich ‚Nagelsmann‘ auf dem Display.“ Der FC-Bayern-Flügelspieler war in einer privaten Mathestunde, als der Bundestrainer anrief. Erst nach dem Nachhilfeende rief er zurück – und erfuhr, dass er Teil des DFB-Kaders gegen die Schweiz und Ghana ist. „Ich habe erstmal geschluckt. Dann hab ich meiner Lehrerin gedankt, dass sie mich nicht hat rausgehen lassen.“

Nagelsmann lobte die Situation postwendend: „Ich hätte ihn geschimpft, wenn er rangegangen wäre. Der Respekt vor dem Lehrer zählt.“ Ein Satz, der bei den Bayern-Bossen für Stirnrunzeln sorgte – schließlich wollen sie ihre Talente auch mal priorisieren sehen. Doch Karl bleibt sich treu: „Ich bin noch Schüler. Und Fußball ist nicht alles.“

Vom viktoria-aschaffenburg-u15-spieler zum nationalspieler – in vier jahren

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Die Zahlen sind verrückt: 2019 kickt er noch in der U15 des bayerischen Provinznachwuchses. 2026 steht er im Kader der deutschen A-Nationalmannschaft. Dazwischen liegen nur 146 Profi-Minuten für den FC Bayern – und ein Tor gegen Atalanta Bergamo, das seine Bewerbung für die WM wurde. „Ich bin kein Blitz, ich bin ein Lauffeuer“, sagt er selbst.

Doch der Weg ist steinig. Seit Vincent Kompany Jamal Musiala wieder aufstellt, rutscht Karl auf die Bank. „Ich bin nicht sauer“, sagt er. „Ich bin hungrig.“ Und das ist kein Spruch. Beim Training in Herzogenaurach sprintete er sich in die Knie – und direkt ins Sponsoren-Auto der Bayern. „Endlich kann ich meine Eltern besuchen, ohne Zug fahren zu müssen“, lacht er. „Auch wenn sie mir immer noch sagen, was ich essen darf.“

Real madrid? kompany nennt es „kommunikationsfehler“ – karl nennt es traum

Real madrid? kompany nennt es „kommunikationsfehler“ – karl nennt es traum

Ein Satz, der in München nicht gut ankam: „Ich will irgendwann bei Real Madrid spielen.“ Karl sagte es im Dezember, kurz vor seinem 18. Geburtstag. Kompany reagierte kühl: „Kleiner Fehler.“ Karl musste sich entschuldigen. Doch er zieht nicht zurück: „Es ist mein Traum. Aber erst mal will ich hier bestehen.“

Im April trifft der FC Bayern im Viertelfinale der Champions League auf genau diesen Traumverein. Ob Karl spielt? „Das entscheidet der Trainer“, sagt er. „Ich bereite mich vor. Und wenn nicht, dann eben nächstes Mal.“

Die wm ist kein wunschkonzert – aber karl spielt sich frei

Die wm ist kein wunschkonzert – aber karl spielt sich frei

Nagelsmann hat ein Luxusproblem: Musiala, Sané, Wirtz – und nun auch noch Karl. „Er bringt Unbekümmertheit“, sagt der Bundestrainer. „Genau das, was wir brauchen.“ Kimmich ist sich sicher: „Wenn er so weitermacht, ist er dabei.“ Karl selbst macht sich keinen Druck. „Ich spiele mein Spiel. Und wenn es reicht, dann freue ich mich. Wenn nicht, dann eben nächstes Jahr.“

Die Mathe-Nachhilfe hat er übrigens abgeschlossen. Mit einer 2+. „Die Lehrerin hat gesagt: ‚So wie du den Ball triffst, triffst du auch die Aufgaben.‘“ Vielleicht war es das, was Nagelsmann überzeugte. Oder einfach nur der Anruf, den niemand erwartete – und der trotzdem ankam.