Lemgo setzt auf geduld: kehrmanns bundesliga-debüt als zeichen der entwicklung
Lemgo-Lippe demonstriert im Nachwuchsbereich eine beeindruckende Ruhe. Während die Füchse Berlin auf eine größere Anzahl junger Talente im Profikader setzen, verfolgt der TBV eine langfristige Strategie, die sich in Geduld und kontinuierlicher Entwicklung manifestiert. Ein erstes Zeichen dieser Arbeit war das Bundesliga-Debüt von Len Kehrmann – ein Moment, der weit über den reinen Spielbericht hinausgeht.

Die philosophie des tbv: schritt für schritt zum profi
Lasse Bracksiek, Jugendkoordinator des TBV Lemgo Lippe, erklärte am Rande der Partie gegen die Füchse Berlin, dass es bei der Nachwuchsarbeit darum gehe, „die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, sich zu entwickeln und einfach zu schauen, dass sie immer gefordert sind.“ Es gehe darum, den jungen Handballern den Traum vom Handballprofi zu ermöglichen. Kehrmann, erst 19 Jahre alt, durfte gegen Berlin einige wertvolle Minuten sammeln – ein verdientes Ergebnis seiner Leistungen in der U23, wo er in der 3. Liga überzeugt hat. „Da freuen wir uns natürlich jedes Mal, wenn einer von den Jungs hier bei den Profis mitmischen darf“, so Bracksiek.
Es ist kein Geheimnis, dass der TBV Lemgo Lippe nicht über die finanziellen Mittel verfügt, um den Kader mit einer Vielzahl von Top-Talenten aus dem eigenen Nachwuchs zu besetzen. Doch genau hier sieht Bracksiek eine Chance: „Als Standort Lemgo, wo wir uns vielleicht die ganz große Breite im Kader nicht immer so leisten können, ist es extrem wichtig, dass wir eine U23 haben, die in der dritten Liga spielt.“ Die zweite Mannschaft dient nicht nur als Sprungbrett für talentierte Spieler, sondern auch als attraktive Option für Handballfans in der Region. Die Spiele der U23 in Augustdorf zogen regelmäßig 500 bis 600 Zuschauer an – eine Kulisse, die in Deutschland für Zweitmannschaften ihresgleichen sucht.
Während die Füchse Berlin auf eine größere Anzahl junger Spieler in der Bundesliga setzen, betont Bracksiek, dass man sich davon nicht unter Druck setzen lasse. „Die Voraussetzungen in Berlin mit der Großstadt sind natürlich ganz andere“, so der Jugendkoordinator. Stattdessen konzentriert man sich auf die Stärken des TBV: das familiäre Umfeld, die tolle Stimmung in der Halle und den Traum, den die jungen Spieler von einer Karriere im Profibereich haben.
Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. „Wir sind jetzt seit vier Jahren dabei, hier viel auf den Kopf zu stellen. Wir haben viele Schritte in die richtige Richtung gemacht. [.] Ich hoffe einfach, dass mit der Zeit, mit den richtigen Schrauben, an denen wir noch drehen können, der letzte Schritt dann auch gegangen werden kann.“ Die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Geduld auszahlt. Doch eines ist klar: Der TBV Lemgo Lippe investiert in seine Jugend – und das mit einer Strategie, die auf Nachhaltigkeit und langfristige Entwicklung setzt.
