Leipzig bremst nächsten top-talent-abgang aus – schimmer bleibt bis 2028
RB Leipzig zieht den Notbremshebel. Nachdem Giovanna Hoffmann 2026 ablösefrei nach Wolfsburg düst und Vanessa Fudalla 2025 Bayer Leverkusen verstärkt, stoppt der Klub die Abwanderung seiner Torschleuderinnen – und zwar mit Marleen Schimmer. Die 25-jährige Flügelspielerin unterschreibt vorzeitig bis 2028, wie die Sachsen am Donnerstag verkündeten.
Ein schlenzer wie ein brandbeschleuniger
Seit ihre Sprunggelenkspause im Oktober vorbei ist, braucht Schimmer nur fünf Partien, um viermal zu treffen und eine Torvorlage zu liefern. Drei ihrer Treffer kamen aus dem Stand, ein Linksschlenzer gegen Nürnberg flog so platziert ins lange Eck, dass selbst die Gegnerischen Fanblocks applaudierten. „Sie kreiert Momente, die phänomenal sind“, sagt Trainer Jonas Stephan, der sie seit der Rückkehr nie mehr als 90 Minuten durchspielen lässt – weil er sie für die entscheidenden Sprints schonen will.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In 232 Bundesliga-Minuten erzielt Schimmer vier Tore – das entspricht einer Quote von einem Treffer pro 58 Minuten. Keine Leipzigerin kommt seit der Winterpause auch nur annähernd an diese Effizienz heran.

Vertrauen statt vollzugslockerung
Doch der Deal ist mehr als nur ein Statistikfetzen. Sportchefin Viola Odebrecht nennt zwei Gründe für die frühe Verlängerung: „Wir wollten verhindern, dass sich 2027 die nächste Torjägerin ablösefrei verabschiedet, und wir wollten Marleen das Signal geben, dass sie hier nicht nur Ersatz für Hoffmann ist, sondern die Identifikationsfigur unserer Offensive.“
Schimmer selbst betont das „Besondere“ des Leipziger Spielstils – ein Code für das hohe Tempo und die halbpositionierten Überladungen, die den Klub in der Rückrunde auf Platz vier katapultiert haben. „Ich fühle mich hier nicht austauschbar“, sagt sie, „ich fühle mich gebraucht.“
Das vergangene Wochenende zeigte die Janus-Kopf-Natur ihrer Rolle: Ein Traumtor zum 2:2 gegen Union, aber auch ein katastrophaler Rückpass zum 0:1. Fehler, die Leipzig in der Champions-League-Qualifikation so nicht erlauben darf. Doch statt sie zu bestrafen, baut Stephan weiter auf sie – und unterschreibt damit das Risiko mit.
Leipzigs Kalkül ist durchsichtig: Wer seine Torschleudern früh bindet, vermeidet Sommermärchen à la Hoffmann. 2026 läuft deren Kontrakt aus, 2025 der von Fudalla. Mit Schimmer haben die Sachsen nun wenigstens eine Offensiv-Kraft langfristig unter Vertrag, bevor der nächste Abgang droht. Ob das reicht, um in der obersten Tabellenregion mitzuspielen, wird sich zeigen. Sicher ist nur: Ohne Schimmer wäre Leipzig in dieser Saison schon jetzt erheblich ärmer gewesen.
