Olympia 2038: schweiz plant wintermärchen – das volk könnte das aus sein

Die Schweiz träumt wieder einmal vom Fest der Feste. Doch diesmal droht dem Olympia-Traum 2038 ein jähes Ende, bevor die erste Fackel angezündet wird. Das IOC will 2026 entscheiden, ob die Eidgenossen winterspielreif sind. Das Problem: Die Bevölkerung will mitreden – und sie hat Geschichte.

200 Millionen sind gebucht – das referendum noch nicht

Bern hat die Kreditlinie freigegeben. 200 Millionen Franken stehen bereit, damit Switzerland 2038 offiziell kandidieren kann. Doch die Rechnung ohne den Souverän macht wäre gefährlich. SVP-Mann Roland Rino Büchel formuliert es wie ein Ultimatum: „Wenn der Bund zahlt, muss das Volk abstimmen dürfen.“ Die SP zieht nach, die FDP findet eine Abstimmung „legitimationsfördernd“. Nur die Grünen bleiben hart: „Nachhaltig? Verkehrsinfarkt und Weißelefanten incl.“, so Katharina Prelicz-Huber.

Die Uhr tickt lauter als je zuvor. Das IOC verlangt bis spätestens 2026 eine verbindliche Garantie. Zehn Kantone sollen mitmachen, zehn Kantone müssen sich organisieren, zehn Kantone könnten per Referendum blockieren. Frédéric Favre, Mastermind hinter Switzerland 2038, kennt die Zahlen: „80 Jahre nach St. Moritz wollen wir es noch einmal wissen. Aber wir müssen wissen, ob das Land mit uns will.“

Die urne hat vier mal „nein“ gesagt – und vergisst nicht

Die urne hat vier mal „nein“ gesagt – und vergisst nicht

Graubünden 1980, Bern 2002, Wallis 2017, die Gesamtschweiz 2018: Jedes Mal landete ein Olympia-Antrag im Papierkorb der Geschichte. Die Erinnerung ist wach, die Skepsis tief. Die Gegner sammeln bereits Unterschriften, die Befürworter werben mit Nachhaltigkeitskonzepten, die noch auf dem Papier stehen. Dazwischen: ein Sportministerium, das lieber schnell entscheiden würde, weil das IOC keine Zeit verschwendet.

Die nächsten Monate werden zum Dauerkampf. Plakate, Podiumsdiskussionen, Parolen. Die eine Seite ruft nach Nationalelfgeist, die andere nach Finanz- und Verkehrschaos. Am Ende zählt nur das Kreuz auf dem Stimmzettel – vorausgesetzt, es kommt dazu. Denn bislang ist nur sicher: 200 Millionen Franken liegen bereit. Ob sie je fließen, entscheidet nicht das IOC, sondern das Stimmvolk. Und das hat sich selten von Sportromantik blenden lassen.