Leaos letzter protest: milan spuckt seinen wunderknaben aus

Ein langsamer Gang zur Seitenlinie, ein abgewiesener Umarmungsversuch, anschließend ein Wortgefecht mit Pulisic – das war am Sonntag keine Auswechslung, das war ein Ehestreit vor laufender Kamera. Rafael Leao, 25 Jahre alt und immer noch ein Teenager im Kopf, lieferte dem Klub die nächste Scene da un matrimonio agli sgoccioli.

Allegri braucht keine peter-pan-formation

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Der Portugiese, der Milan einst mit Traumtoren aus dem Nichts rettete, ist längst zur tickenden Uhr geworden. Seine Unreife kostet Punkte, seine Launen zerreißen Kabinenchemie. Die Kurve feierte ihn trotzdem – bis gestern. Denn wer den Trainer vor Millionen Zuschauern brüskiert, der verspielt sich die letzten Gönner.

Intern kursiert ein Satz: »Rafa braucht ein neues Universum, damit sein Talent endlich erwachsen wird«. Die Konsequenz: Milan könnte jetzt verkaufen, statt weiter auf die verspätete Reifung zu hoffen. Die Ablöse wäre saftig, der Gehaltsscheck fiele weg, und die Mannschaft bekäme endlich Ruhe.

Rom lauert. José Mourinho hat Leao schon im Dezember gelobt, weil er in seiner Jugend genauso ungestüm war. Die Hauptstadt bietet das Abenteuer, das Leao im Kopf sucht – und Milan die Chance, aus einer Ersatzbank-Szene noch bare Münze zu machen.

Am Olimpico begann die Geschichte, am Olimpico könnte sie enden. Nur diesmal würde Leao nicht mehr protestieren, sondern gehen. Milan winkt ab, die Kurve atmet durch. Keine Tragödie – ein cut, der beiden Seiten hilft.