Laser zielt nur auf den tumor: prostata-chemo bekommt konkurrenz

Milano – ein Lichtstrahl statt Skalpell. Der neue Laser greift die Prostata nur punktgenau an, der Rest des Organs bleibt unversehrt.

Der italienische Urologe Dimitrios Choussos präsentierte am Freitag im Klinikverbund Città di Pavia erstmals Zahlen zur Focal Laser Ablation. 20 Prozent aller Tumore beim Mann sitzen in der Prostata – und genau dort will Choussos den Krebs ohne Hormontherapie auslöschen.

So funktioniert die neue hitze

Multiparametrische MRT und Fusion-Biopsie zeichnen die Läsion millimetergenau auf. Ein Katheter schiebt die Laserfaser bis ins Herz des Tumors, dort erhitzt sich das Gewebe auf 90 Grad – ein mikroskopisches Brandherd, der die kranken Zellen verkohlt, während die Nachbarstrukturen schonend kühlen. Der Eingriff dauert unter 45 Minuten, die Katheter-Patienten gehen am selben Tag nach Hause.

Choussos’ Frühdaten: Bei 112 Männern mit niedrigem und mittlerem Risiko blieb der PSA-Wert drei Jahre post-OP stabil unter 0,5 ng/ml. Kein einziger musste sich einer Radikaloperation unterziehen. Die Potenz- und Kontinenzquoten lagen bei 97 % – ein Wert, den konventionelle Prostatektomien kaum erreichen.

Die Methode ist keine Allzweckwaffe. Wer bereits Metastasen hat, fliegt raus. Doch für den Patienten, dessen Karzinom lokal begrenzt bleibt, bedeutet das: statt sechs Wochen Bestrahlung eine Stunde Ambulanz und danach wieder Training.

Warum der trick funktioniert

Warum der trick funktioniert

Der Laser erzeugt keine Strahlung, deshalb kann die Therapie bei Rezidiv wiederholt werden – ein Vorteil gegenüber Radio- oder Hormontherapie, die das Gewebe dauerhaft schädigen. Zudem sparen Kliniken Kosten: Statt 15 000 Euro für eine Prostatektomie kalkuliert Pavia 4 200 Euro pro Behandlung.

Deutsche Kliniken schauen neugierig. Der Tübinger Urologe Prof. Arnulf Stenzl kündigte sofort eine Begleitstudie an – mit Blick auf die 450 000 Neudiagnosen pro Jahr in Europa ein Milliardenmarkt.

Choussos bleibt gelassen: „Wir wollen nicht die Prostata operieren, wir wollen den Tumor vergessen.“ Die Zahlen geben ihm recht: 98 % der behandelten Männer verloren keinen Tropfen Urin und brauchten keine Windel – ein Sieg gegen die alte Standardmethode, die oft die Lebensqualität opfert.

Nächster Schritt: Im Dezember startet eine multizentrische Studie mit 1 000 Patienten in Spanien, Frankreich und Deutschland. Wenn die Daten halten, was sie versprechen, könnte der klassische Prostata-Eingriff schon 2026 zur Rarität werden. Dann schlägt der Laser statt des Skalpells – und der Mann steht nach der Therapie wieder auf dem Platz, nicht im Aufenthaltsraum.