Kriechmayr stoppt 23 rennen ohne sieg – franzoni nagelt den österreicher vor

Vincent Kriechmayr hat mit neun Hundertsteln Vorsprung Giovanni Franzoni auf dem Podest von Courchevel weggespült – und damit eine Dürre beendet, die Österreichs Skimannschaft seit März 2022 plagte. 23 Weltcup-Abfahrten ohne Sieg, ein Negativrekord für das einstige „Wunderteam“. Jetzt ist Schluß, dank einer Linie, die kein anderer fuhr.

Die kurve, die alles drehte

Bei Minusgraden, aber weichen Schneeklumpen im unteren Drittel, entschied sich Kriechmayr für eine extrem enge Bogenfahrt vor der Hausbergkante. Die Konkurrenz wischte weiter außen, verlor Zeit – und verlor sie massiv. Die Sekundenbruchteile summierten sich auf 0,09 Sekunden Vorsprung, umgerechnet 2,60 Meter. Franzoni, erstmals auf diesem Hang, konnte nicht mehr kontern. „Er war makellos, ich hab alles rausgeholt“, sagte der Italiener nach seinem fünften Podest dieser Saison.

Der 34-jährige Steirer holte damit den 20. Weltcupsieg seiner Karriere – und den ersten seit jenem Tag in Soldeu vor zwei Jahren. Die österreichische Presse atmete auf: drei Jahre ohne Abfahrtssieg, das war selbst in den 90ern undenkbar.

Odermatt spielt den banker

Odermatt spielt den banker

Während sich Kriechmayr und Franzoni um die Spitze rissen, kalkulierte Marco Odermatt. Der Schweizer wußte: Schon vor dem Start hatte er die kleine Kristallkugel in der Tasche. Vier Siege, drei Podeste – die Disziplin-Wertung war gelaufen. Trotzdem legte er los wie ein Wilder, büßte in der Mitte ein paar Zehntel ein, riss sie im Zielhang aber zurück. Platz drei, 31 Hundertstel Rückstand, reichte für die Trophäe – und für ein Lächeln, das aussah, als hätte er eben die Börse geschlossen.

Die weiteren Österreicher folgten dicht: Haaser (+0,74) und Hemetsberger (+0,95) komplettierten das Rote-Weiß-Rote Trio unter den besten Sechs. Rogentin wurde Vierter, die Slowenen Hrobat und Cater gesellten sich in die Top-Ten.

Italia mischt kräftig mit – bis auf paris

Italia mischt kräftig mit – bis auf paris

Benjamin Alliod fuhr als bester Azzurro auf Rang 12, vor dem enttäuschten Dominik Paris, der 1,58 Sekunden klebte. „Unten war’s wie Schi auf Knete“, sagte Alliod, der sich auf die Olympiaspiele 2028 vorbereiten will – sie finden auf genau dieser Piste statt. Mattia Casse landete auf 16, Florian Schieder flog raus. Trotzdem reist Italien mit sechs Athleten zu den Finals nach Kvitfjell: Franzoni (3.), Paris (4.), Schieder, Casse, Alliod und Innerhofer.

Am Freitag und Sonntag geht’s in Courchevel weiter mit zwei Super-G, eines davon Ersatz für das abgesagte Rennen von Garmisch. Wer sich warm anzieht, ist klar im Vorteil – die Sonne knallt, und die Pisten werden weich wie Butter.