Krickau schickt füchse gegen aalborg in die gluthitze
Christian Schneider hier – und ich spüre schon den Pulsschlag von Berlin bis Aalborg. Nicolej Krickau hat seine Mannschaft nicht zum Spaß auf Gruppensieg getrimmt. Er will sie in einen Ritt schicken, der in Gluthitze endet. Mittwoch, 18.45 Uhr, Jyske Bank Boxen: Der dänische Meister wartet, der ehemalige GOG-Coach wird ausgepfiffen, und die Füchse haben nur eine Mission: Tabellenprimus bleiben.
Der 35:28-Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen war ein Schaulaufen, doch Krickau biss sich die Zunge an der Euphorie fest. „Unser Fokus liegt darauf, Woche für Woche das Niveau zu erhöhen“, sagte er knapp, als hätte er schon das Brummen von Aalborg in den Ohren. Die Intensität sei zurück, die Abstimmung vorne wie hinten – das klingt nach Lehrbuch, ist aber ein Kommando.
Ein zähler vorsprung reicht nicht zum durchatmen
Die Sachlage ist klar: Berlin führt die Gruppe mit 9:1 Punkten, Aalborg folgt mit 8:2. Gewinnt der Hauptstadtklub, ist der Gruppensieg eingetütet und das Viertelfinale mit Heimrecht in Reichweite. Verliert er, droht ein Finale bei den Bayern – und die haben in München einen Kessel, der noch einen Tick lauter brodelt.
Bob Hanning spricht offen Tacheles: „Verlieren ist verboten.“ Die Saison hat die Füchse schon ein paar Mal strafen wollen, in Melsungen, in Lemgo, in Stuttgart. Die Bonuspunkte sind weg, die Konkurrenz im Kampf um die Champions-League-Plätze atmet im Nacken. Jeder weitere Ausrutscher würde die Saison in ein Drama verwandeln.

Juri knorr ist nur die spitze des eisbergs
Aalborg hat sich neu erfunden. Mit dem deutschen Nationalspieler im Rückraum läuft der Angriff wie ein Uhrwerk, 232 Tore in zehn Gruppenspielen sprechen eine deutliche Sprache. Linksaußen Felix Claar trifft aus dem Stand, Torhüter Mikkel Løvenborg fischt Bälle aus allen Ebenen. Krickau warnt: „Die jetzige Mannschaft ist nicht zu vergleichen mit letztem Jahr.“ Er sollte es wissen, schließlich kennt er jeden Gang des Klubs aus seiner Zeit bei GOG.
Die Dänen haben in der Liga nur eine Niederlage kassiert, dafür aber eine Heimserie von 19 Siegen in Folge. Die Statistik ist ein Bulldozer, der auf Berlin zufährt. Doch der Coach schlachtet Zahlen nicht aus, er schürt Emotionen. „Ich werde ausgepfiffen – das ist schön“, sagt er mit einem Grinsen, das zwischen Provokation und Selbstschutz schwankt.

Der plan: früh entzaubern, spät vernichten
Krickau wird seine Mannschaft auf Tempo trimmen. Aalborg mag Ballbesitz, Berlin will Umschaltmomente. Die Deckung um Mijajlo Marsenic und Matías Schöneberger muss Knorr in Zwei-Minuten-Rhythmus zwingen, damit der Rückraum nicht zur Waffe wird. Im Angriff liegt der Schlüssel bei Hans Lindberg und Paul Drux: Nur wenn sie die Kreisläufer früh finden, reißt die dänische Kette.
Die Bank ist kurz, der Kader gequetscht. Max Schölzel laboriert an einer Schulter, Marian Michalczik fällt aus. Doch das ist Krickau egal. Er will kein Testspiel, er will ein Statement. Ein Sieg in Aalborg wäre mehr als zwei Punkte – es wäre die Visitenkarte für jeden möglichen Viertelfinalgegner.
Die Uhr tickt, die Spannung steigt. In 60 Minuten Handball kann sich eine Saison neuschreiben – oder in Scherben gehen. Für Krickau ist klar: Er fährt nicht nach Dänemark, um zu tanzen. Er fährt hin, um Feuer zu legen.
