Kreuzband- und meniskusriss: thannheimers saison ist gelaufen
Knall, ein Schrei, dann Stille. Wendelin Thannheimer liegt im finnischen Lahti nach seiner Landung am Freitag reglos im Auslauf. Der 26-jährige Oberstdorfer hat sich das linke Kreuzband und den Außenmeniskus gerissen – und damit nicht nur den Weltcup vorzeitig beendet, sondern auch die komplette Vorbereitung auf Olympia 2027.
Die diagnose: mindestens zwölf monate pause
Am Montag wurde er in München operiert, wie der Deutsche Skiverband bestätigte. Mannschaftsarzt Lukas Pecher nennt das brutale Datum: „Unser Ziel ist es, dass Wendelin Mitte/Ende nächster Saison auf die Schanzen zurückkehrt.“ Das bedeutet: keine Garmisch, kein Oberstdorf, kein Planica – und vor allem keine Wettkämpfe bis zum Frühjahr 2027. Eine Karriere, die gerade Fahrt aufnahm, wird auf Eis gelegt.
Thannheimer selbst klingt wie jemand, der noch nicht ganz angekommen ist: „Die letzte Woche war schon hart, es war nicht einfach, mit dieser Situation umzugehen.“ Der Sprung selbst war sauber, die Landung zunächst auch. Doch dann rutschte das linke Ski hinten weg, das Knie drehte sich, der Körper folgte der Gewalt. Ein Moment, der acht bis zehn Monate Rehabilitationsfolgen hat – wenn alles gut läuft.

Der verlust für den dsv: ein mentalitätsbolzen fehlt
Der Weltmeister von 2025 war mehr als nur Punktesammler. Er ist der Typ, der im Mixed-Bereich vorne wegläuft, um das Feld zu sprengen, der in der Staffel die Moral hochkant hält. Mit ihm verliert Bundestrainer Hermann Weinbuch genau den Athleten, den er in der kritischen Phase vor der Olympiade braucht. Die deutsche Nordische Kombination steht ohne ihren emotionalen Anker da.
Die Zahlen sind gnadenlos: Thannheimer belegte in dieser Saison drei Top-10-Plätze, holte 312 Weltcuppunkte und war gerade dabei, sich als Konstante im Kreis der Favoriten zu etablieren. Jetzt droht Platz eins der Verletztenliste – und ein Loch im Kader, das sich nicht mit Ersatzmen füllen lässt.

Was bleibt, ist der blick nach vorn
Der Deutsche Skiverband will sich nicht in Ahnungslosigkeit flüchten. Pecher spricht von „optimaler medizinischer Versorgung“, von „modernster Rehabilitationsstrategie“ und von „mentaler Betreuung auf höchstem Niveau“. Doch selbst die beste Physiotherapie kann nichts daran ändern, dass Thannheimers Körper erst einmal neu lernen muss, was Stabilität bedeutet. Und dass der Zeitplan knallhart ist: Wer im März 2027 in der Heimat um Gold kämpfen will, muss spätestens im November 2026 wieder Sprung-Laufbahn kombinieren können.
Für Thannheimer beginnt jetzt ein zweites Leben – das des Patienten. Er wird lernen, dass das Kreuzband kein Gummiband ist, dass der Meniskus nicht einfach „nähen“ heißt, sondern „neu erschaffen“. Und er wird lernen, dass die größte Herausforderung nicht der Berg ist, sondern das Tal danach.
Die Saison ist gelaufen. Aber seine Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie wurde nur um ein Kapitel verlängert – und das wird länger und schmerzhafter sein als jede Abfahrt, die er je gelaufen ist.
