Kostjuk kämpft auf dem court – und in ihrem herzen

Paris – Ein Sieg, der mehr als nur Punkte bedeutet: Marta Kostjuk, eine der Mitfavoritinnen bei den French Open, offenbarte nach ihrem Erstrundensieg gegen Oksana Selekhmeteva die schmerzhafte Realität des Krieges in der Ukraine. Ihre Worte hallten auf dem Court Simonne-Mathieu wider und ließen die Zuschauer innehalten.

Ein raketeneinschlag am morgen des matches

Ein raketeneinschlag am morgen des matches

„Heute Morgen ist nur 100 Meter vom Haus meiner Eltern entfernt eine Rakete eingeschlagen“, berichtete die 23-Jährige sichtlich bewegt. Der Morgen sei „schwierig“ gewesen, sie habe „viel geweint“. Diese persönlichen Schicksalsschläge stehen im krassen Gegensatz zu dem sportlichen Triumph, den sie gerade feierte. Kostjuk, die unter spanischer Flagge startende Selekhmeteva mit 6:2, 6:3 bezwang, zeigte eine beeindruckende Leistung, die jedoch von tiefer Betroffenheit überschattet wurde.

Die gebürtige Kiewerin nutzt die großen Tennisbühnen der Welt immer wieder, um auf die Notlage ihres Heimatlandes aufmerksam zu machen. Der Handschlag nach dem Matchball wurde wie üblich verweigert – eine Geste, die sie seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine konsequent beibehält. Es ist ein stiller Protest, ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, die sie als ihr „größtes Vorbild“ bezeichnete. Tränen kamen ihr, als sie diese Worte sprach, ein Beweis für die emotionale Belastung, die sie trägt.

Kostjuk hat sich in den letzten Wochen als eine der stärksten Spielerinnen auf Sand etabliert. Nach ihren Siegen in Rouen und Madrid, wo sie ihre zwölfte nacheinander errang, gilt sie nun sogar als Titelanwärterin in Roland Garros. Ihre Konzentration und ihr Wille sind bemerkenswert, angesichts der Umstände, unter denen sie spielt. Die junge Ukrainerin verkörpert mehr als nur sportliche Leistung – sie steht für Hoffnung und Widerstandskraft.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 100 Meter. Diese kurze Distanz trennte Kostjuk am Morgen ihres Matches von der Verwüstung, die der Krieg in ihr Heimatland bringt. Ein Mahnmal, das sie auf dem Court nicht vergessen kann. Und solange sie dort steht, wird sie die Welt daran erinnern, dass der Kampf um die Ukraine noch lange nicht vorbei ist.