Kompany zögert bis zur letzten sekunde: urbig oder prescott – das bayern-tor wird zum krimi

Vincent Kompany wird den Torwart erst in der Kabine nennen. Jonas Urbig bangt noch um sein Startrecht, Leonard Prescott bangt um seinen Senkrechtstart. Die Entscheidung fällt am Mittwochabend, Sekunden vor dem Anpfiff gegen Atalanta Bergamo.

Urbigs gehirn steht unter beobachtung

Die Gehirnerschütterung aus dem Hinspiel ist kein Defekt, sondern ein Zeitfenster. „Rein medizinisch“, sagt Kompany und klingt dabei wie ein Arzt, der selbst nicht weiß, ob die Röntgenplatte lügt. Urbig hat die Symptome abgelegt, nicht aber das Risiko. Die medizinische Abteilung misst Puls, Reaktion, Augenbewegung – und liefert jedes Mal eine neue Zahl, die niemand versteht, aber alle beeindruckt.

Leonard Prescott sitzt nebenan und hört jedes Geräusch durch die Wand. 16 Jahre, 1,94 m, noch kein Profivertrag, schon der mögliche Notnagel in einem Achtelfinale. Seine Handschuhe sind neu, seine Nervosität alt. Kompany bestätigt nur das Minimum: „Ja“, mehr braucht er nicht sagen. Das reicht, um Twitter in zwei Lager zu spalten: Romantiker, die ein Märchen wollen, und Realisten, die ein Debakel fürchten.

Bayern ohne musiala, kimmich und sieben weitere gesichter

Bayern ohne musiala, kimmich und sieben weitere gesichter

Jamal Musiala humpelt durch die Mixed Zone, das Sprunggelenk bandagiert, die Blicke starr. Ohne ihn wirkt das Mittelfeld wie ein Schachbrett ohne Dame: noch spielbar, aber weniger tödlich. Joshua Kimmich und Michael Olise schauen vom Tribüner-Bereich auf das Spielfeld, auf das sie nicht dürfen. Manuel Neuer, Alphonso Davies, Hiroki Ito – alle drei in der Reha, alle drei unersetzlich auf ihre Art.

Die Startelf liest sich wie ein Klassenausflug mit fehlenden Lehrern: noch 14 Spieler, zwei davon Torhüter, einer davon vielleicht Prescott. Die Taktik wird sich vermutlich nicht ändern, nur die Hierarchie. Kompany predigt Positionsfußball, aber wenn der 16-Jährige pünktlich zur Champions-League-Hymne neben Neuer aufwacht, wird selbst der belgische Philosoph schlucken.

Die Buchmacher senken die Bayern-Quote ein paar Punkte, die Fans erhöhen die Lautstärke. Bergamo reist an mit Zapata im Aufbau und einem Plan, der auf einem halben Torhüter-Drama basiert. Kompany sagt, er habe „eine Lösung parat“. Ob die in Torwart-Handschuhen daherkommt oder in einem neuen System, wird erst die letzte Untersuchung zeigen. Der Countdown läuft, die Nerven auch.