Kohfeldt zockt schalke ohne dzeko: lilien-plan steht
Darmstadt – Keine Maus kriegt noch Platz, aber vielleicht drei Punkte. Am Samstag explodiert das Böllenfalltor, wenn die Lilien den Tabellenprimus Schalke empfangen – und Florian Kohfeldt muss keine große Show mehr inszenieren. Die Stadt ist schon längst im Ausnahmezustand, 17.800 Fans werden den Platz zum Kochen bringen, selbst der Coach kassierte für seine Familie kein zusätzliches Ticket mehr.
Die Botschaft klingt wie ein Versprechen: Wer den Spitzenreiter ärgert, übernimmt die Spitze. Zweiter gegen Erster, 20.30 Uhr, live im Hessischen Rundfunk – das Duell hat Liga-Prägung, obwohl es erst März ist.
Kohfeldts zauberformel: kribbeln erlaubt, kollaps verboten
„Wir wollen das nicht wegreden“, sagt Kohfeldt und schickt seine Profis gleichzeitig in die mentale Kurzhantel-Stunde. Die Woche ist ein Balanceakt zwischen Ekstase und Ernüchterung: Montag Video, Dienstag Taktik, Mittwoch Schwerpunkt Standards, Donnerstag intensivste Elf-gegen-Elf-Einheit, Freitag Durchlüften und dann: Anpfiff. „Wenn wir nur Emotion schüren, knallt’s am Samstag in die Hosen. Wenn wir nur Leistung predigen, fehlt der Biss. Wir brauchen beides“, erklärt der 42-Jährige.
Das Trainingsgelände am Böllen gleicht einem belagerten Fort: Medienvertreter schleichen um jeden Zaun, Drohnen der Fan-Channels kreisen über dem Platz, die U17 wedelt mit selbstgebastelten „Hau ab, Schalke!“-Plakaten. Kohfeldt lässt die Jungs ein kurzes Autogramm schreiben, zieht sie dann zurück in die Kabine – sonst verpufft die Energie vorzeitig.

Dzeko-sperre: geschenk mit rätsel-faktor
Edin Dzeko, sieben Tore in acht Spielen, muss wegen Platzverweis gegen Hannover zuschauen. Für Schalke ein Schock, für Darmstadt ein Luxusproblem: Wen deckt Innenverteidigung jetzt? Kohfeldt grinst kurz, dann wird er ernst: „Ich hätte ihn lieber gesehen. So fehlt mir die Referenz, wie sie sich ohne ihn bewegen.“ Der Coach rechnet mit einem Systemwechsel der Knappen von 3-4-3 auf 4-2-3-1 – schneller Umschaltmoment, dafür weniger Druck durch die Mitte.
Die Zahlen sprechen für die Lilien: Keine Niederlage in den letzten fünf Heimspielen, erst ein Gegentor aus dem Spiel heraus seit Anfang Februar. Doch die Statistik kennt Emotionen nicht, und die stehen Kopf. Schalke war in der Hinrunde eine tickende Bombe, die in der Nachspielzeit noch zweimal zündete – 2:2, letzter Atemzug, Darmstadts Albtraum.

Zwei protagonisten, ein plan
Fabian Schnellhardt wird die Fäden ziehen, muss zwischen den Linien die Lücken finden, die Dzeko normalerweise zustellt. Neben ihm Marcel Schuhen im Tor, Anführer mit Mikro und Megaphon in einem: „Wenn du hier nicht laut wirst, wirst du leise weggepustet“, sagt er und tippt sich gegen die Kapitänsbinse. Auf der Gegenseite Rouven Schröder, Manager auf Zeitreise: Der ehemalige Lilien-Sportdirektor baute Darmstadt 2015 neu auf, nun will er mit Schalke den alten Klub erstürmen.
Kohfeldt hat sich einen Satz zurechtgelegt, der am Samstag in jedem Spielerkopf herumgeistern soll: „Ruhig im Ball, laut im Zweikampf.“ Es klingt simpel, ist Programm. Die letzten zehn Minuten plant er mit zusätzlichem Publikumspowerplay: Die Nordkurve erhält vorab Handzettel mit Countdown-Choreo, Minute 80 bis 90, Lichter aus, Handys an – ein Wall aus Blitzlichtern soll die Gäste in Panik versetzen.
Die prognose
Ein Tor fällt spät, vielleicht sogar in der Nachspielzeit. Die Lilien sind gewillt, Schalke angeschlagen ohne Dzeko. 2:1 für Darmstadt, Schuhen hält in der 93. Minute mit den Fingerspitzen. Danach steht die Stadt Kopf, und wer am Böllenfalltor war, erzählt sein Leben lang, wie er die Maus suchte – und die Tabellenführung fand.
