Kassel huskies jagen den traum: sechster anlauf zur del-festung

Die Kassel Huskies stehen wieder vor der Tür zur DEL – und wieder ist sie nur einen Klick schwer. Am Mittwochabend rollt im Eissportstadion Nord gegen die Lausitzer Füchse das erste Playoff-Puck, und 3.600 Fans verwandeln die Halle in einen Kessel, der seit 16 Jahren auf Hochglanz poliert wird.

Die serie beginnt – und mit ihr der sechste versuch

Seit 2021 scheiterten die Nordhessen fünf Mal auf der Zielgeraden: zwei Finalniederlagen, ein verpasstes Papier-Datum, zwei Halbfinal-Aussetzer. Die Zahlen sind ein geduldiges Monster: 28 Playoff-Spiele, 17 Siege, 11 Niederlagen – und immer noch keine Wildcard für die erste Liga. Doch die Mannschaft um Kapitän Hans „Hooligan“ Detsch trägt diese Bilanz wie ein Brandmal statt eines Makels.

Die Fakten sind hart: Nur der Playoff-Sieger darf aufsteigen, und nur sechs der acht Viertelfinalisten haben überhaupt die Lizenzunterlagen abgeliefert. Kassel ist dabei, Weißwasser nicht. Das kleine Detail: Selbst wenn die Füchse das Viertelfinale drehen, bleibt ihnen die Tür zur DEL versperrt. Für die Huskies ist jeder Sieg also ein Doppel-schlag: näher am Finale, näher an der Lizenz.

Trainer Pavel Gross hat die Reihen neu gemischt: Erste Sturmreihe Santorelli – Detsch – Fleischer, dahinter schlägt Import-Goalie Mathias Niederberger mit einem Save-Prozent von 92,8 die Wellen ab. Die Defensive um Phillip Bruggisser kassierte in der Hauptrunde nur 127 Gegentore – beste Quote der Liga. Die Taktik ist simpel: früh stören, schnell umschalten, die emotionale Schlagzahl erhöhen, bevor die Füchse Luft holen.

Die fans sind bereits im playoff-modus

Die fans sind bereits im playoff-modus

Bereits 850 Anhänger reisten im Januar nach Bietigheim, sparten sich aber die Stimme für März auf. Seit Montag sind alle Heimspiel-Tickets vergriffen, auf dem Schwarzmarkt zahlen Fans bis zu 180 Euro für Stehplätze. Die Choreografie steht: 17 Minuten vor Spielbeginn zieht eine 40 Meter lange Fahnenmeile über die Rundung, begleitet von „Huskies, Huskies“-Gesängen, die selbst die Plexiglasscheiben vibrieren lassen.

Detsch selbst spielt seit 2021 diese Playoff-Roulette. „Wir haben gelernt, dass man den Pokal nicht vor dem Finale gravieren kann“, sagt er mit einem Grinsen, das die letzten fünf Frühjahre in sich trägt. „Aber diesmal spüre ich, dass die Chemie stimmt. Nicht nur auf dem Eis – auch zwischen Kabine und Tribüne.“

Die Serie ist Best-of-Seven, Spiel eins und zwei in Kassel, dann zwei in der Lausitz, falls nötig wieder in Kassel. Das zweite Spiel folgt bereits am Freitag – 48 Stunden, um die Schwingung zu halten oder zu brechen. Die Huskies haben 52 Saisonspiele überstanden, aber es sind die nächsten vier Siege, die 16 Jahre Warten entweder beenden oder verlängern.

Die Uhr im Stadion zeigt 19:30 Uhr, die Scheinwerfer gehen auf, das Eis glüht. Für Kassel beginnt wieder jene Nacht, die seit 2010 auf die morgendliche Sonne wartet. Sechster Anlauf, ein Pokerspiel mit offenen Karten – und diesmal wollen die Huskies nicht nur mitspielen, sondern aufsteigen. Ende der Nacht steht entweder ein Schritt Richtung DEL oder die nächste Kapitelüberschrift „Fünf vor Zwölf“.