Kiteishvili droht vor rapid-kracher auszufallen – sturm bangt um den zauberer

Die Stimmung war aufgeladen, die Blicke verdreckt. Gerade hatte Otar Kiteishvili am vergangenen Sonntag die Austria mit zwei Toren demontiert und Sturm Graz die Meistergruppe angeführt – jetzt humpelt der Georgier in die entscheidende Woche. Am Sonntag (17 Uhr, im LIVE-Ticker auf TSV Pelkum Sportwelt) gastiert die Elf von Christian Ilzer beim Rekordmeister Rapid, und plötzlich ist nichts mehr sicher.

Der 30. geburtstag mit beule

Donnerstag, Tel Aviv. 56 Minuten war gespielt, da griff sich Kiteishvili an die Oberschenkelrückseite und verließ mit gerunzelter Stirn den Rasen. Israel – Georgien 2:2, aber die Tore zählten kaum. „Muskuläre Probleme“, lautete die erste Diagnose, euphemistisch und klinisch. Am Sonstag fehlte er im zweiten Länderspiel in Litauen ganz, flog direkt nach Graz zurück und wurde am Montagvormittag MRT-geröntgt. Erst am Dienstag will der Klub Klarheit geben – bei Sturm weiß man, dass Zuspätkommen in dieser Phase des Jahres gefährlich ist.

Die Zahlen sprechen ohnehin lauter als jede Pressekonferenz: zwölf Tore, vier Vorlagen in 21 Bundesliga-Einsätzen. Kein Spieler trägt mehr Punkte allein durch individuelle Klasse nach vorne. Gegen die Austria war er bester Mann, Note 1,5 vom Kicker, zwei Schüsse, ein Torhüter am Rande der Verzweiflung. Ohne ihn wirkt das 3-5-2 plötzlich stumpf, weil kein anderer dribbeln kann, ohne die Pässe zu verlieren, und weil die Gegner sich schon jetzt auf seinen linken Fuß einstellen.

Rapid wittern die chance

Rapid wittern die chance

Die Wiener verfolgen die Entwicklung mit angelegtem Gehör. Seit der Auftaktniederlage gegen Sturm hat Rapid drei Mal gewonnen und den Rückstand auf einen Punkt reduziert. Ein Sieg am Sonntag würde die Grün-Weißen erstmals seit Wochen an die Spitze versetzen – und das genau dann, wenn die Programm-Kurve steiler wird: LASK, Salzburg, Sturm wieder, danach Auswärtsspiel in Hartberg. Wer in dieser Phase den Schwung verliert, verliert vielleicht die Meisterschaft.

Für Sturm wäre ein Ausfall Kiteishvilis mehr als nur personeller Engpass. Er wäre ein Symbolverlust. Mit ihm verlässt nicht nur Tore und Assists das Team, sondern auch die spielerische Seele, jener Moment, in dem aus Umschaltspiel pure Emotion wird. Manager Andreas Schicker betonte zuletzt, man habe „alternativlose Optionen“ – ein Satz, der mehr nach Verlegenheit klingt als nach Überzeugung. Tomi Horvat und Mika Biereth sind talentiert, aber keiner von ihnen schlägt diagonalen Pässe, die sich wie Seitenstecher anfühlen.

Die taktik-frage: wie baut man eine seele um?

Die taktik-frage: wie baut man eine seele um?

Christian Ilzer steht vor dem seltenen Dilemma, eine Sieg-Formation verbiegen zu müssen. Möglich wäre ein Umstieg auf Doppel-Sechser mit Prassl und Wels, dafür müsste man aber das Tempo aus der Offensive nehmen. Oder man vertraut Jon Gorenc Stanković als falscher Zehner – eine Idee, die in der Theorie solide ist, in der Praxis aber die Räume zwischen Mittelfeld und Angriff verkleinert. Die dritte Option: Man riskiert Kiteishvili, spritzt ihn mit Schmerzmitteln voll und hofft, dass der Muskel nicht reißt. Ein Poker, der im Mai zurückschlagen kann.

Der Zeitplan ist gnadenlos. Am Dienstag Training in Graz-Kalwang, Mittwoch Abfahrt nach Wien, Donnerstag Pressekonferenz, Freitag Stadion-Spaziergang. Wer bis dahin keine Antwort hat, wird beim Aufwärmen improvisieren müssen. Und Rapid? Die haben ihren eigenen Lazaro zurück, sind in Bestbesetzung und wissen, dass ein Sieg gegen Sturm mehr ist nur drei Punkte – es wäre die Machtdemonstration, dass die Meisterschaft noch nicht entschieden ist.

Für Kiteishvili selbst ist die Verletzung ein Déjà-vu. Vor zwei Jahren fiel er vor der Winter-Meisterschaft aus, Sturm schmiss auswärts bei WSG Tirol die Meisterschaft weg. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Geschichte sich diesmal nicht wiederholt. Bis dahin bleibt ein Gedanke, der durch die Kabine geistert: Ohne den Zauberer wird selbst ein 5:2-Sieg zur Farce, weil die nächste Aktion bereits in der Schwebe steht.