Davis packt aus: runjaic ernannte mich zum top-stürmer – italien war hart
Keinan Davis sitzt in der Kabine von Udinese Calcio, zieht die Schienbeinschoner hoch – und plötzlich herrscht Ruhe. Trainer Kosta Runjaic blickt in die Runde und sagt: „Er ist meine Nummer eins im Angriff.“ Fünf Stürmer waren anwesend, fünf Egos, ein Platz. Davis war der Gewinner. Das war vor dieser Saison. Heute lacht er im Interview mit The Athletic über die Szene, doch der Weg dorthin war alles andere als glatt.
„Ich war naiv – italien schlug mich k.o.“
Die ersten Wochen in Friaul erinnern sich wie ein Schockkurs. Davis tritt in die Physiotherapie, versteht kein Wort, hört nur lautes Italiano. „Ich habe gedacht: Okay, das wird ein kurzer Alptraum. Dann wurde es länger.“ Erst Nachhilfe, dann ein Umstieg auf mediterrane Ernährung – Tomaten statt Tiefkühlpizza, Olivenöl statt Protein-Shakes. „Das Essen hier ist gesünder als überall sonst, das spürt man am Knochen.“
Die Verletzungen nagten an seinem Selbstvertrauen. Zwei komplette Spielzeiten fielen der 25-Jährige aus, sein Körper war ein offenes Geheimnis. Lösung: ein Sommer auf Ibiza, aber nicht zum Feiern. Mit Fitnesstrainer Jordi Garcia absolvierte Davis täglich Bein-Module, straffte die Muskulatur, verzichtete auf Oberkörpertraining. „Wenn ich oben zulege, werde ich schnell zu breit. Die Beine halten das Gewicht nicht aus.“

Runjaic stempelt ihn zum führungsspieler – konkurrenten lachen, aber davis liefert
Die Aussage des Trainers war kein Lippenbekenntnis. In der Kabine zogen Mitspieler die Augenbraue hoch, einige spottelten. „Du bist die Nummer eins? Dann zeig es.“ Davis nahm den Spott mit, schoss in Serie A drei Tore in den ersten fünf Einsätzen dieser Saison, half Udinese aus dem Tabellenkeller. Seine Laufleistung stieg um 12 %, die Sprintanzahl um 18 % – Zahlen, die den Coach bestätigen.
Die Nationalteams stehen Schlange. England feiert ihn in Fanforen, Jamaika buhlt mit Familiengeschichte. Die Mutter stammt aus Kingston, Davis hält den Pass in der Hand. „Ich will die Insel spüren, die in mir steckt“, sagt er. Drei Reisen nach Jamaika in den letzten 18 Monaten, Gespräche mit Verbandsbossen. Dennoch schließt er England nicht aus. „Wenn die Three Lions anrufen, lege ich auf. Aber erst muss Udinese weiter nach oben.“
Für den Stürmer bleibt eine Wahrheit: „Wenn du lange verletzt bist, vergisst dich das Land, vergisst dich die Liga. Ich habe gelernt, dass nur die nächste Trainingseinheit zählt.“ Udinese reist am Wochenende nach Bergamo. Davis wird wieder in der Startelf stehen – und er wird verstehen, was sein Mitspieler am Spielfeldrand ruft. Ohne Übersetzer.
