Kimmich läutert bayern in dortmund mit einem schlag

Joshua Kimmich knallte den Ball in der 87. Minute zur Kurve, das Stadion verstummte, die Meisterschaft war gelaufen. Mit diesem 3:2 im Signal Iduna Park schoss der 31-Jährige den FC Bayern München auf elf Punkte Vorsprung und Borussia Dortmund aus dem Titelrennen.

Kimmich wird zum mr. klassiker

Es war bereits sein drittes Siegtor gegen den BVB, doch dieses hier zählte dreifach: Punkte, Moral, Machtverhältnis. „Das werden wir nicht mehr abgeben“, sagte er nach Abpfiff, während andere noch in Floskeln schwammen. Kein Pathos, nur Gewissheit.

Der Treffer selbst war typisch Kimmich: abgewehrte Flanke, linker Fuß, keine Zeit zum Nachdenken. Der Ball segelte an vier Dortmundern vorbei, senkte sich hinter die Linie und ließ Gregor Kobel erstarren. Kurve, Netz, Schlusspunkt – ein Tor des Monats-Kandidat, geboren aus purem Reflex.

Doch der Abend hatte noch einen zweiten Akt. Kurz vor dem Seitenwechsel chippte Kimmich Serge Gnabry in den Strafraum, Harry Kane köpfte zum Ausgleich. Ein Assist, der kaum wahrgenommen wurde, weil das Finale alles überstrahlte. Dabei war es seine Ruhe, die Bayern in der ersten Hälfte überhaupt erst wachrüttelte, als Dortmunds Pressing sie in Grund und Boden stampfte.

Die zahlen sprechen für ihn

Die zahlen sprechen für ihn

Seit 2018 traf Kimmich in fünf entscheidenden Champions-League-K.o.-Spielen, bereitete drei Tore vor. Im Finale 2020 gegen Paris legte er das 1:0 auf, im Halbfinale 2018 schoss er zweimal gegen Real Madrid. Die Liste liest sich wie ein Lebenslauf für große Abende. Die Frage ist nicht, ob er in der Kritik steht, sondern wann er sie wieder verstummt lässt.

Vincent Kompany verbannte ihn nicht nach rechts hinten, sondern ließ ihn als Sechser agieren – mit Freiheiten, die er gegen Dortmund ausreizte. 91 Ballkontakte, 87-prozentige Passquote, sieben Ballgewinne im Mittelfeld. Statistiken sind manchmal leer, hier liefern sie das Bild eines Regisseurs, der nebenbei noch Tore schießt.

Die Triple-Mission ist offiziell: Nach Atalanta drogen Real Madrid oder Manchester City, danach könnte Paris winken. Wenn sich die Gegner auf Kane, Olise und Diaz verbiegen, rächt sich, wer sich aus dem Halbraum löst. Kimmich ist dieser Spieler. Nicht der Schnellste, nicht der Spektakulärste, aber der, der in der 87. Minute noch einmal auftaucht, weil er weiß, dass ein einziger Schlag reicht, um eine Saison zu definieren.