Kiel war ein strohfeuer: mt melsungen verspielt in fredericia die halbe saison
Ein Sieg gegen den Rekordmeister lässt Fans träumen – und dann kommt die Ernüchterung in Dänemark. MT Melsungen verpatzt das Play-off-Hinspiel in Fredericia mit 29:35, warf damit das Kiel-Highlight vom Samstag schon wieder aus dem Gedächtnis und steht mit dem Rücken zur Wand.
Die Zahlen sind gnadenlos: 13:19 zur Pause, zwischendurch -10, am Ende -6. Und das, obwohl Trainer Roberto Garcia Parrondo schon nach sechs Minuten die erste Auszeit nahm, weil sein Team 2:6 hintenlag. „Wir müssen die Intensität erhöhen“, brüllte er. Die Mannschaft hörte nicht.
Kristof palasic hielt die mt kurz auf kurs, der rest schwamm
Der österreichische Nationaltorwart war es, der verhinderte, dass die Partie schon früh zur Katastrophe wurde. Er parierte einen Siebenmeter, streckte sich zweimal in den Winkel und hielt seine Farben bei 6:10. Doch vor ihm lief nichts zusammen: Kreisläufer ließen sich abkoppeln, Rückraumwürfe landeten im Block, Fredericia konterte eiskalt.
Der dänische Außenseiter spielte, als hätte er die Bundesliga-Defensive studiert. Evgeni Pevnov, 37-jähriger Ex-DHB-Spieler, nagelte acht seiner acht Versuche rein – ein Treffer nach dem anderen gegen seine einstigen Landsleute. „Wir haben ihn zu spät angepackt“, sagte ein sichtlich mitgenommener Florian von Gruchalla im Mixed-Zone-Gang. „Da fehlte die zweite Welle, da fehlte der Zusammenhalt.“

Das rückspiel ist keine rettung, sondern eine letzte chance
Am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, sportde) muss in der Rothenbach-Halle ein Siebentore-Rückstand aufgeholt werden – gegen eine Truppe, die in dieser Woche noch einen Pokalauftritt in Aarhus absolviert und damit Spielrhythmus tankt. Die MT hingegen kassierte ihre zweite Niederlage innerhalb von acht Tagen nach dem 23:27 in Magdeburg. Die Balance zwischen Emotion und Erschöpfung ist weg.
Die Europapokal-Saison, in der Melsungen erst vor zwölf Monaten beim Final Four in Hamburg gestanden hatte, droht damit vorzeitig zu enden. Ein Viertelfinalticket gegen den FC Porto wartet bereits – aber nur für den Sieger. Und der muss am Dienstag mindestens sieben Tore besser sein. „Wir brauchen ein kleines Wunder“, sagt Garcia Parrondo. Die Realität sagt: Es ist ein ganz großes.
