Kerr zündet saison-bombe: nba-spielplan soll auf 72 spiele gekürzt werden
Steve Kerr schlägt Alarm. Zu viele Muskelverletzungen, zu hohes Tempo, zu viel Geld im Spiel. Der Warriors-Coach fordert jetzt offen den radikalen Schnitt: runter von 82 auf 72 Saisonspiele – koste es, was es wolle.
Die Zahl, die ihn wach werden lässt, lautet 102,2. So viele Ballbesitzwechsel ergeben sich pro Partie in dieser NBA-Saison – ein Rekord. Die Folge: Wadenstränge, Hamstrings und Hüftbeuger reißen wie Fäden an alten Sneakern. Giannis Antetokounmpo fehlte Wochen, Kawhi Leonard, Kevin Durant, LaMelo Ball – die Liste liest sich wie ein All-Star-Kader im Medizinraum.
Kerr zahlt bereitwillig mit seinem gehalt
„Weniger Spiele bedeuten weniger Umsatz, und ich werde meinen Kopf dafür hinhalten“, sagt der 60-Jährige nach dem 128:121-Sieg gegen die Lakers. „Aber wenn die Stars nur zu 70 Prozent fit sind, ist das Produkt trotzdem schlechter.“ Die Liga verdient zwar Milliarden mit TV-Rechten, doch das Narrativ leidet, wenn am Playoff-Ende die dritte Garde aufläuft.
Kerrs Rezept: jede Mannschaft spielt künftig viermal gegen die eigenen Division-Rivalen (16), dreimal gegen die restlichen Conference-Klubs (30) und zweimal gegen die andere Conference (30). Macht 76 – plus bis zu sechs Bonus-Partien für zusätzliche Derbys. „Qualität vor Quantität“, lautet seine Devise.

Die spieler hinter den kulissen nicken
In den Locker Rooms ist der Vorschlag längst keine Makulatur mehr. Der NBPA-Vorstand verhandelt bereits über eine Ausweitung des 65-Spiele-Minimums für Auszeichnungen, um Belastungsspitzen abzufedern. Die Teams fordern wiederum mehr Restdays zwischen Back-to-Backs. Doch die Besitzer blockieren – 41 Heimspiele sind 41 Mal Kasse.
Die Mediziner liefern indessen Zahlen, die kein PR-Departments beschönigen kann: Weichgewebeschäden sind seit 2015 um 27 Prozent gestiegen, trotz Millionen-Budgets für Biomechanik, Schlafcoachs und cryo-Kammern. Die Pace steigt schneller als die Körper sich anpassen können – ein Wettrüsten, das sich selbst frisst.
Die NBA verspricht „weitere Untersuchungen“. Doch die Uhr tickt. Die TV-Verträge laufen 2025 aus – der perfekte Zeitpunkt, um den Kalender neu zu verhandeln. Kerrs Vorstoß ist kein Alleinunterhalter mehr, sondern ein Startschuss für die größte Reform seit der Einführung der Shot Clock 1954.
Am Ende wird nicht das Kapital entscheiden, sondern die Frage, ob die Liga lieber 82 halbgare Spiele oder 72 bei Vollbrand servieren will. Die Antwort liegt auf dem Feld – und in den Waden der Superstars.
