Juve zieht die champions-league-luke auf: sassuolo und genoa sollen den vierten platz besiegeln
Luciano Spalletti hasst Vokabeln wie „Endspiel“. Trotzdem riecht das Stadion nach K.o.-Duft: Gewinnt die Alte Dame gegen Sassuolo und Genoa, schiebt sie Como zur Seite und rückt in die Champions-League-Zone vor.
Der 3:1-Sieg in Udine war kein Fußball-Feuerwerk, sondern ein Statement. Yildiz auf links statt als falscher Neuner, Locatelli als Metronom, ein Kollektiv, das sich endlich wieder an die eigene Historie erinnert. Die Zahlen sprechen für sich: Seit Spalletti am 30. September die Bank unter der Mole übernahm, holte nur Inter mehr Punkte – Milan und Napoli schauten längst in den Rückspiegel.

Vlahovic kehrt zurück – und das macht die konkurrenz nervös
Fast vier Monate fehlte der Serbe. Nun steht er wieder in den Startlöchern, frisch, hungrig und – das ist das Entscheidende – ohne Pflichtspielminute im Bein seit dem November. Como kann auf Lapadula bauen, Roma auf Dybala, doch keiner von ihnen trägt die Klasse eines Stürmers, der 2022 noch 24 Liga-Tore schoss. Spalletti wird ihn zunächst als Joker einsetzen, um in den letzten 20 Minuten die Schockstarre auf dem gegnerischen Rasen auszulösen.
Der Kalender ist ein Verbündeter. Nach dem Doppel gegen Sassuolo und Genoa warten Bergamo und Mailand, während Como noch Inter und Napoli empfängt und Roma über Ostern die Nerazzurri kriegt. Die einzige Mannschaft ohne Europapokal-Ballast? Die Juve. Kein Donnerstag-Flug, kein Sonntag-Frust, nur Training, Taktik, Erholung.
Die Stimmung in Continassa ist längst nicht mehr dieselbe wie nach der 0:2-Pleite gegen Monza. Spalletti lässt mittags das Spotify-Training laufen – italienische Achtzigerjahre-Hymnen, ein bisschen Vasco, ein bisschen Lucio Battisti – und verteilt dabei Armbänder mit dem Slogan „180 Minuten bis zur Unsterblichkeit“. Ein Schachzug, der bei Spielern ankommt, die TikTok beherrschen, aber noch nie ein Champions-League-Finale gesehen haben.
Am Samstag um 18 Uhr steigt die Partie gegen Sassuolo. Die Quoten sehen die Juve klar vorne, doch das weiß Spalletti: „Buchmacher zahlen keine Punkte.“ Deshalb schickt er seine Mannschaft nicht mit der Devise „Wir müssen“ auf den Rasen, sondern mit der Erkenntnis „Wir dürfen“. Dürfen, endlich wieder unter den Besten zu stehen. Dürfen, ein altes Versprechen einzulösen.
Wenn der Schiri nach 90 Minuten pfeift, könnte die Tabelle ein neues Gesicht haben. Und wenn Vlahovic dann in der Nachspielzeit einsackt, wird das Stadium erbeben – nicht nur vor Freude, sondern vor Erleichterung. Denn wer einmal in der Champions League war, will nie wieder woanders spielen.
