Katalonien entzieht vallter 2000 den ritt: wind peitscht etappe leer

Der Bora-Wind pfeift nicht nur durchs Tal, er schreddert das Etappenbuch. Die Organisoren der Volta a Catalunya schickten die Fahrer am Mittwochabend mit einer knappen Mail in die Tiefe: Keine Bergankunft auf 2.143 Metern, keine Show auf Vallter 2000. Grund: 90 km/h Böen, die über die Kammlinie peitschen und das Ziel in eine Schneekanone verwandeln würden.

Godons gelb steht plötzlich wieder auf der kippe

Godons gelb steht plötzlich wieder auf der kippe

Dorian Godon hatte sich gestern noch die Jacke mit dem roten Zipfel über die Schultern geworfen, als wäre sie ihm auf die Haut genäht. Jetzt droht der Wind, die Nähte zu lösen. Die verkürzte 150-km-Variante von Mataró nach Camprodon – statt 173 km und 3.300 Höhenmeter – entlässt die Sprintertrupps aus dem Käfig. Godons Ineos-Kollegen müssen seine elf Sekunden Vorsprung auf Evenepoel und 16 auf Pidcock jetzt auf flachem Land verteidigen, statt sie in dünner Luft zu konservieren.

Die Uhr tickt anders: Start um 13:05 statt 12:30 Uhr. Die Jury kalkulierte eine halbe Stunde Extra, damit die Karawane nicht in die Mittagspause der Schneepflüge rast. Wer denkt, das sei nur ein Fußnoten-Drama, unterschätzt die Physik: Auf den letzten 50 Kilometern bleibt nur noch welliges Terrain, kein einziger Mur, der die Beine zwingt, sich zu erinnern. Wer heute zuletzt lacht, könnte morgen im Trikot von UAE oder Soudal sitzen.

Evenepoel, gestern noch mit Asphalt im Gesicht, atmet auf. Sein Sturz war ein groteskes Schlagloch-Drama, das ihn einen Ausreißercoup kostete. Die neue Streckenführung entzieht dem Terrain die Scharte – und ihm die Chance, auf 7,6 % Steigung zuzustoßen. Stattdessen wird er wohl in Camprodon aufschließen und die Uhr schlagen müssen, 23 Kilometer vor dem eigentlichen Gipfel.

Für die Zuschauer bleibt Eurosport und HBO Max das einzige Ventil, um das Rätsel zu entschlüsseln: Rettet der Wind Godons Traum oder bläst er ihm die Jacke vom Leib? Die Antwort kommt kurz nach 16:30 Uhr – wenn die Fahnen im Zielstrand stramm stehen und kein Schneeregen mehr die Kameras trübt.