Kästner packt pokal-rekord aus: wie jena aus dem keller plötzlich halbfinale kitzeln will

Ein Thüringer Kellerkind träumt vom Pokal-Märchen. Die Frauen des FC Carl Zeiss Jena sind Tabellenletzter der Bundesliga, aber 180 Minuten vom ersten Halbfinale seit 2009 entfernt. Mittwochabend, 18:30 Uhr, gastiert der Zweitligist SC Sand auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld – und genau das macht Florian Kästner zündend.

Kästner zockt mit dem underdog-trumpf

Der Coach spricht offen vom „einfachsten Los“, meint aber nicht Arroganz, sondern pure Pokal-Mathematik. Sand ist der letzte Nicht-Erstligist im Wettbewerb und gleichzeitig Tabellenzweiter der 2. Frauen-Bundesliga. Ein Sieg in Jena würde nicht nur die Runde der letzten Vier einläuten, sondern auch die Mentalität seiner Mannschaft neu schreiben. „K.o.-Spiele sind Gift für Außenseiter und Medizin für Außenseiter, die sich selbst nicht mehr glauben“, sagt Kästner. Genau dort steckt sein Team.

Die Zahlen sind so schroff wie der Thüringer Winter: vier Liga-Siege, 15 Gegentore in den letzten drei Spielen, nur zehn Treffer nach vorne. Im Pokal dagegen: zwei Siege, 6:0-Tore – und plötzlich schmückt sich sogar die Abwehr mit einer Null. „Wenn ich wüsste, warum das so ist, hätten wir in der Liga auch mehr Punkte“, sinniert Toma Ihlenburg. Die Innenverteidigerin weiß trotzdem, worauf es ankommt: „Griffige Zweikämpfe gegen Sands Tempo-Girls.“

Merza julević schaltet turbo statt tabellenangst

Merza julević schaltet turbo statt tabellenangst

Das größere Spielfeld in Jena ist kein Detail, sondern taktische Waffe. Merza Julević will die Außenbahnen entern, weil ihr Team „extreme Sprinterinnen“ besitzt, die Gegenspielerinnen in Eins-gegen-Eins-Duellen zermürben. Die Mittelfeld-Dynamo fordert: „Wir müssen die Ruhe behalten, aber nicht lethargisch sein.“ Ihre Devise klingt wie ein Konzertmitschnitt aus vergangenen Pokalabenden: „Wir wissen, was wir können – wir müssen es nur endlich auf den Rasen knallen.“

Historie? 2009 zog Jena als Zweitligist ins Finale ein und fiel erst dem damaligen Top-Club Duisburg zum Opfer. Sand wiederum gewann das letzte Viertelfinale gegen Jena vor zehn Jahren mit 4:1. Vergangenheit hin, Gegenwart her – beide Teams könnten am Ende der Saison tatsächlich die Ligen tauschen. Für Jena wäre ein Pokal-Coup ein Sechspunktgewinn ohne Platzverlust.

Die Logik des Fußballs: Ein Sieg gegen Sand würde nicht nur 90 Minuten Selbstvertrauen einflößen, sondern auch das Sonntags-Endspiel gegen den HSV entrücken. Denn plötzlich wäre Jena nicht mehr das Kellerkind, sondern das lebende Beispiel dafür, dass Tabellen manchmal lügen – vor allem, wenn im Pokal die Musikepoche „Alles oder nichts“ eingespielt wird.