Kastening rast als ersatzmann in die dänische hölle
Timo Kastening fliegt nach Kopenhagen, als hätte er einen Helikopter gecheckt. Statt Mathis Häseler, dessen Knöchel sich beim VfL-Gummersbach-Training verabschiedete, wird der Rechtsaußen der MT Melsungen am Freitag (19.30 Uhr) in der Royal Arena auflaufen – direkt vor der Nase des Olympiasiegers.
Ein wechsel mit turbo-charakter
Der DHB bestätigte die Personalie am Montag, nur 36 Stunden, nachdem Häseler sich die Außenbande verdreht hatte. Für Kastening bedeutet das: keine Zeit für Nervosität. Der 30-Jährige ist kein Neuling, aber diesmal soll er gegen die dänische Maschine ran, die im Januar im EM-Finale noch mit 26:17 die DHB-Auswahl zerlegte.
Trainer Alfreð Gíslason setzt auf die Spezialeigenschaften des Melsungers: explosive ersten drei Schritte, einen Wurf aus vollem Lauf, der auch hängt, wenn zwei Gegenspieler draufkleben. Gegen Dänemark braucht Deutschland genau diesen Typ Spieler, der aus dem Stand die Abwehr sprengt. Die Bilanz gegen die Skandinavier seit 2022: vier Spiele, vier Pleiten, 88:106 Tore.
Die Rückspiel-Chance kommt direkt am Sonntag (15.30 Uhr) in der Kölner Lanxess-Arena. ProSieben zeigt beide Partien frei empfänglich, Joyn und Dyn streamen parallel. Die Quote des Januar-Finales knackte die 3,8-Millionen-Marke. Erst die Bundesliga, dann der Supercup – der Handball zieht wieder rein.

Der kader im überblick
Im Tor: David Späth (Rhein-Neckar Löwen) und Andreas Wolff (THW Kiel). Feld: Vincent Büchner, Justus Fischer, Tim Freihöfer, Johannes Golla, Marko Grgic, Timo Kastening, Tom Kiesler, Juri Knorr (Aalborg), Matthes Langhoff, Nils Lichtlein, Moritz Sauter, Miro Schluroff, Franz Semper, Renars Uscins und Lukas Zerbe.
Die Nordeuropäer werden ohne Mikkel Hansen antreten, der nach Tokio pausiert. Dafür laufen Mads Mensah Larsen und Mathias Gidsel auf, letzterer war mit 54 Treffern Torschützenkönig der EM. Deutschland braucht eine Sieg-Serie, um im September in der WM-Quali nicht erneut zu zittern. Die letzte Pflichtspiel-Niederlage gegen die Schweiz sitzt noch in den Knochen.
Kastening selbst sagte nach dem Anruf: „Ich packe die Zahnbürste ein und freue mich auf Tempo 100.“ In Kopenhagen wird er genau das bekommen. Und wenn er trifft, könnte sein Name schon am Montag in der Sportschau fallen – statt Häseler nun Kastening, ein Wechsel, der wehtut und zugleich brennt.
