Kastening rückt nach: dhb nominiert ersatz für häseler gegen dänemark
Timo Kastening fliegt kurzfristig mit nach Skandinavien. Der Rechtsaußen von MT Melsungen rückt für die beiden Länderspiele gegen den Handball-Giganten Dänemark in den Kader, weil Mathis Häseler sich am Knie verletzt hat. Der Wechsel ist keine kosmetische Korrektur – er ist ein Signal: Alfred Gislason will den EM-Final-Rematch gewinnen, koste es, was es wolle.
Die fakten im überblick
Am Freitagabend (19.30 Uhr) empfängt Kopenhagen die DHB-Auswahl in der Royal Arena, 48 Stunden später stehen sich beide Teams in der Kölner Lanxess-Arena gegenüber. ProSieben zeigt beide Partien frei empfangbar, Joyn und Dyn begleiten digital. Das sind keine Testspiele im üblichen Sinn – das sind Prestigeduelle gegen die Olympiasieger, die Welt- und Europameister. Für Gislason ist das ein Gradmesser, wo sein Neuanfang wirklich steht.
Kastening kennt das Tempo der Skandinavier aus der Bundesliga, er traf in dieser Saison bereits siebenmal für Melsungen. Seine Quote aus dem Rückraum liegt bei 71 Prozent – ein Wert, der Häselers Ausfall kompensieren soll. „Er bringt uns die nötige Breite und kann beide Flügel bedienen“, sagt Gislason. Der Isländer betont, dass er keine Experimente wolle, sondern „Konstanz gegen den Ball“.

Der kader im detail
Im Tor stehen weiterhin David Späth und Andreas Wolff, die Rückraum-Motoren Juri Knorr und Nils Lichtlein sind gesetzt. Mit Johannes Golla und Julius Kühn (der nach Gelbsperre zurückkehrt) hat Gislason auch genug Druck von außen. Die Frage bleibt: Wer stoppt Mikkel Hansen, wenn er aufdreht? Die Antwort lautet: Kollektiv. Pressing, Umstellung, 5-1-Deckung – alles wurde in der Kurz-Woche trainiert.
Deutschland gewann das EM-Finale vor vier Monaten nicht, aber es war den Dänen dicht auf den Fersen. Die 26:34-Niederlage war keine Demütigung, sondern ein Lehrstück. Jetzt wollen die jungen Wilden wie Tom Kiesler und Moritz Sauter zeigen, dass der Lernprozess schneller verläuft als gedacht. Kastening ist Teil dieser Generation – 27 Jahre alt, Höchstgeschwindigkeit 34 km/h, Sprungwert 98 Zentimeter. Zahlen, die ihm Vertrauen einbringen.
Die Dänen reisen ohne Niklas Landin an, der nach der Geburt seines Kindes Pause nimmt. Stattdessen steht Kevin Møller zwischen den Pfosten – ein Luxusproblem, das Bundestrainer Jonas Wille gerne hat. Deutschland hingegen muss auf Paul Drux verzichten, der Mittelfußbruch auskuriert. Die Lücke füllt Renārs Uščins, der in Hannover gerade erst seine erste Vollzeit-Saison in der Bundesliga absolviert.

Warum diese spiele zählen
Die Punkte fließen nicht in eine Tabelle, aber in die Köpfe. Ein Sieg gegen Dänemark wäre das erste Pfund, mit dem sich Gislason im Sommer bei der WM-Presse bedienen kann. Die Nations-League startet im September, dann geht’s um Qualifikationsplätze für Olympia 2028. Wer jetzt überzeugt, sichert sich ein Ticket nach Paris. Kastening weiß das. Deshalb wird er am Donnerstagmorgen in Frankfurt in die Maschine steigen – mit dem Ziel, zurückzukommen als jemand, der nicht nur ersetzt, sondern bereichert.
Die Handball-Welt schaut auf Kopenhagen und Köln. Und sie wird sehen, ob Deutschlands neue Flügelzange hält, was sie verspricht. Die Uhr läuft. Noch 72 Stunden bis zum Anwurf.
