Flick erfuhr vom tod seines vaters – und stand 48 stunden später beim clásico auf der linie

Kurz vor dem größten Spiel der Saison klingelte das Handy. Hansi Flick hörte die Stimme seiner Mutter – und wusste, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor. „Als ich von meiner Mutter angerufen wurde …“, beginnt er, stockt, atmet durch. Der Vater war tot. Die Uhr zeigte 01:47, zwei Nächte vor dem Clásico gegen Real Madrid.

Barça feiert meisterschaft, flick feiert seinen vater

Barça feiert meisterschaft, flick feiert seinen vater

Was folgte, liest sich wie ein Drehbuch, das kein Autor jemals wagen würde: Der Coach setzt sich ins Flugzeug, fliegt zurück nach Barcelona, leitet die letzte Trainingseinheit, gewinnt 3:1 im Bernabéu und sichert den Klub den 28. Liga-Titel. Die Spieler werfen ihn nach dem Schlusspfiff in die Höhe, doch seine Gedanken sind 1.200 Kilometer weiter, in Heidelberg, wo der Sarg bereits geschlossen wird.

„Er hätte sich gefreut, dass wir nach dem 2:0 nicht mit dem Fouln nach hinten runtergebogen sind“, sagt Flick leise im Mixed-Zone-Gewusel. Die Stimme bricht nicht, aber die Augen glasen. Meisterschale in der Hand, Trauerflor am Arm. Zwischen den Polen hat er 90 Minuten lang nur eine einzige Bewegung gemacht: die Uhr seines Vaters, die er seit dem Anpfiff trägt, kurz unter dem Ärmel hervorziehen – bei jedem Tor, bei jeder Grätsche, bei jedem Schlusspfiff.

Die Mannschaft wusste Bescheid. Lewandowski erzählt, dass schon morgens um neun die Kabine leiser war als sonst. „Wir wollten für ihn gewinnen, Punkt.“ Flick selbst hatte nur einen Satz in die Taktik-Tafel gekritzelt: „Für Papa – Ballbesitz und Herz.“

Am Sonntag fliegt er zurück nach Deutschland. Die Meisterfeier läuft ohne ihn, die Spieler akzeptieren. „Wir trinken später ein Bier auf ihn, versprochen“, ruft Ter Stegen in den Katakomben. Flick nickt, zieht die Kappe tiefer ins Gesicht und verschwindet durch den Seitenausgang. Die Liga ist entschieden, sein Vater beerdigt, und trotzdem steht schon am Mittwoch das Pokalhalbfinale an. Der Sport stoppt nie – auch dann nicht, wenn die Welt für Sekunden stillsteht.