Kai häfner lässt die bombe platzen: wm-comeback offen, aber nur unter einer bedingung

Kai Häfner schießt derzeit wie ein Automat. 127 Tore in 22 Spielen, nur Lucas Krzikalla liegt vor ihm in der Torjägerliste. Doch der 36-Jährige trifft nicht nur für den TVB Stuttgart – er trifft eine Nerv der Nation. Denn nach dem Silber-Coup von Herning fragen sich alle: Braucht Deutschland Häfner zurück für die Heim-WM 2027?

Der anruf, der alles in bewegung setzte

Es war ein sonderbarer Oktober 2025. Häfner hatte gerade sieben Tore gegen Kiel geworfen, da klingelte das Handy. Alfred Gislason am Apparat. „Kannst du kurz Zeit haben?“ Die Folge: Häfner landete als Notnagel im EM-Kader, trainierte mit, holte Silber, ging wieder. „Die Jungs haben Bock, das war schön anzusehen“, sagt er heute, „aber mein Rücktritt steht.“

Nur – dieses Wochenende hat er wieder zugeschlagen. 13 Treffer gegen Melsungen, darunter drei Siebenmeter verwandelt, zwei Kreuzstäbe nur Millimeter neben dem Gehäuse. Die Zahlen lügen nicht: Seit der EM ist Häfner effizienter denn je (Quote 74 %). Und genau das treibt die Diskussion wieder auf die Agenda. Denn Deutschland wird 2027 Gastgeber sein, drei Gruppenspiele in Stuttgart – seiner Stadt.

Backup-rolle? „klar, wenn’s brennt“

Backup-rolle? „klar, wenn’s brennt“

Häfner nippt an seinem Kaffee, zuckt mit den Schultern. „Ich bin kein 25-Jähriger mehr, der jeden zweiten Tag Kreislauf hat. Aber klar: Eine WM im eigenen Land ist ein Magnet.“ Die Sprache ist vorsichtig, fast schon diplomatisch. Dann kommt der Satz, der die Verbandsgeschäftsstelle in Dortmund aufhorchen lässt: „Man kann mich jederzeit anrufen. Ich bin gerne Backup, so wie bei der EM.“

Das klingt nach Angebot, nicht nach Absage. Und es klingt nach Realismus. Häfner weiß, dass Gislason mit Julius Kühn, Timo Kastening und Johannes Golla drei Kreisläufer hat, die sich gegenseitig pushen. Aber er weiß auch: Verletzungen sind kein Plan, sondern ein Programm. „Wenn einer umfällt und Alfred ruft, bin ich in zwei Stunden da“, sagt er und lacht. „Habe noch den Koffer stehen.“

Die stimme aus dem verein: „er ist unser kapital“

Die stimme aus dem verein: „er ist unser kapital“

TVB-Manager Markus Bregy schaut auf die Tribüne, wo Häfners zwei Töchter gerade ein Torwandschießen gewinnen. „Kai ist nicht nur Torschützenkönig, er ist Anlaufstelle, Psychologe, Co-Trainer mit auf dem Feld.“ Ein Verkauf an einen Bundesrivalen winkt Bregy vehement weg. „Warum sollten wir ihn ziehen lassen? Er ist unser LeBron in Kurzarm.“

Die Vertragsbindung läuft 2028 aus. Ein Wechsel ins Ausland schied schon vor zwei Jahren aus familiären Gründen aus. Also bleibt die Frage: Wie viel Nation kann ein Club verkraften? „Wir reden offen“, sagt Bregy. „Wenn der DHB anklopft, finden wir eine Lösung. Aber nur, wenn Kai gesund bleibt und seine Quote nicht bröckelt.“

Die fakten, die niemand widerlegt

Die fakten, die niemand widerlegt

Deutschland war bei der EM 2026 ohne Häfner im Endspiel, aber mit nur 54 % Trefferquote vom Kreis. In den entscheidenden Minuten gegen Dänemals fehlte eine kalte Dampfmaschine. Genau diese Lücke besetzt Häfner seit Jahren: 2016 wurde er Europameister, 2024 Olympiazweiter, immer dann, wenn das Spiel kippte. Seine Erfahrung: 132 Länderspiele. Seine Bilanz: 422 Tore. Seine Botschaft: „Ich bin kein Museum, ich bin ein Werkzeug.“

Und die Uhr tickt. In zwölf Monaten startet die WM-Vorbereitung. Bis dahin muss Gislason wissen, ob er auf Notfall oder Neuanlage setzt. Häfner selbst schaltet ein Podcast-Interview, schmunzelt in die Kamera. „Ich will nicht jubeln, bevor der Ball fliegt. Aber wenn Deutschland ruft, weiß ich, warum.“

Ende der fahnenstange? noch lange nicht

Die Liga geht in die heiße Phase, Stuttgart fordert die Meisterschaft. Häfner trainiert zweimal täglich, baut seine Schussvielfalt aus – Links, Kreuz, Sprungwurf. „Ich will nicht nur Backup sein, ich will bereit sein“, sagt er. Und wer ihn in der Porsche-Arena sieht, spürt: Dieser 36-Jährige wirft nicht nur Tore, er wirft der Nation eine Frage zu Füßen: Wie viel Erfahrung darf man aussitzen, wenn das Turnier auf heimischem Boden droht?

Die Antwort wird nicht in Pressekonferenzen fallen, sondern auf dem Feld. Bis dahin steht Häfner bereit – mit Schuhen, Handschuhen und einem Handy, das niemals lautlos ist. Die Nummer hat Gislason noch. Und sie ist einfach zu merken: 0176 – Kai für Deutschland.