Kahn zieht die bremse: hoeneß und rummenigge trudeln im schneckentempo
Oliver Kahn kann nicht mehr schweigen. Drei Jahre nach seinem Sabhaustritt schlägt der ehemalige Bayern-Boss zurück – und zielt direkt auf die zwei Männer, die ihn einst fallen ließen: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. „Man hört: ‚Wir ziehen uns zurück, wenn die richtigen Leute da sind.‘ Das zieht sich jetzt über viele Jahre. Und scheinbar hat man immer noch niemanden gefunden“, sagt er bei Sky. Ein Satz, der in der Säbener Straße wie ein Faustschuh wirkt.
Die Kritik trifft mitten ins Herz der Machtstruktur, die den FC Bayern seit Jahrzehnten prägt. Hoeneß, 78, bleibt als Ehrenpräsident und Aufsichtsrat omnipräsent, Rummenigge, 70, hält sich als „Senior Advisor“ in Umlaufbahn. Beide hatten einst Kahn zum Nachfolger auserkoren, doch im Oktober 2023 zertrümmerte Hoeneß dessen Bilanz öffentlich: „Die Berufung von Oliver Kahn war ein großer Fehler.“ Jetzt schlägt Kahn zurück – mit Zahlen statt mit Emotionen.
Die bilanz nach kahns sturz: nur ein neuzugang in 30 monaten
Seit seinem Abgang im Mai 2023 übernahm Jan-Christian Dreesen den Vorstandsvorsitz. Seitdem kam mit Marketingchef Rouven Kasper genau eine neue Führungspersönlichkeit an die Isar. „Ansonsten bewegt sich das Ganze im Schneckentempo“, sagt Kahn. Die Formel ist ein Spießrutenlauf: Die alte Garde behält die Fäden, die neue Generation wartet vergeblich auf Platz. Intern nennen das manche „Sanfte Machtübernahme in Zeitlupe“. Extern wirkt es wie ein Stillstand mit Etikettenschwindel.
Doch der 56-Jährige trennt klar zwischen Struktur und Sport. „Ich habe den FC Bayern selten so stark gesehen wie jetzt“, sagt er. Die Mannschaft läuft wie ein Uhrwerk, in der Bundesliga und in der ChampionsLeague. Es ist das Paradox des Klubs: Die Sportabteilung brilliert, die Führungsebene stagniert. Thomas Tuchel liefert Spiele, die Fans liefern Rekorde – doch im Hinterzimmer tickt eine andere Uhr. Eine, die sich nach Gefallen der Altlasten richtet.

Hoeneß’ versprechen und die lücke, die keiner füllt
Die zentrale Frage lautet: Wer wagt den Sprung in die Führungsetage, wenn der Platz schon besetzt ist? Kasper war ein Puzzlestück, aber kein Kronprinz. Kein Name aus der zweiten Reihe – etwa Sportvorstand Christoph Freund oder Finanzvorstand Michael Diederich – wagt den offenen Machtanspruch. Die Devise lautet: lieber warten, bis Hoeneß und Rummenigge endgültig abdanken. Doch genau dieses Signal bleibt aus. Stattdessen: halbe Rückzüge, ganze Einflüsse.
Kahn selbst will keine Rückkehr, aber eine Rechenschaft. „Ich spreche nicht aus Rache, sondern aus Erfahrung“, sagt er. Die Botschaft ist einladend und warnend zugleich: Der Klub muss sich öffnen, sonst wird die Erfolgsmaschine zur Glanzburg ohne Nachfolgeplan. Die Fans merken es, die Sponsoren rechnen es, die Konkurrenz nutzt es. Die Bundesliga tickt weiter, doch die Uhr an der Isar steht still – solange Hoeneß und Rummenigge die Zeiger festhalten.
