Jordan murray wacht auf: kac-verteidiger nach kollaps außer lebensgefahr

17 Minuten auf der Bank, dann bricht er zusammen. Die Nachricht jagte durch die Arena, die Serie, die Liga. Jordan Murray, 33, KAC-Verteidiger, fiel in der 18. Minute des Viertelfinal-Auftakts gegen Fehervar in sich zusammen, Herz still, Atem weg. Die Ärzte um Hannes Florianz und Günther Bachler reanimierten ihn minutenlang, bis die Vitalzeichen wieder sprangen. Nun, 24 Stunden später, meldet der Klub: Murray ist wach, stabil, atmet selbst.

Die nacht, in der klagenfurt nicht schlief

Kein Sirenengeheul, kein Jubel, nur das dumpfe Klopfen eines Herzens, das wieder schlagen sollte. Die 3.000 Fans in der Stadthalle wussten: Sie hatten kein Spiel gesehen, sondern eine Lebensrettung. Die Spieler standen wie erstarrt an der Bande, als Murray ins Krankenhaus gebracht wurde. Das Spiel wurde abgebrochen, das zweite Viertelfinal-Spiel in Ungarn am Donnerstag steht auf der Kippe. Die Liga berät, die KAC-Führung schweigt zu Terminen. Erst einmal zählt nur ein Name.

Der Kanadier, seit 2021 in Klagenfurt, gilt als Rückgrat der Defensive, 52 Play-off-Spiele in drei Saisons. Vor der Partie hatte er noch mit Coaches Video geschaut, wie er die ungarischen Top-Stürmer stoppen könnte. Dann die Pause, das Klappern der Tür, das Stolpern. „Seine Augen waren offen, dann leer“, sagte ein Betreuer, der nur wenige Meter entfernt saß. Die Sanitäterinnen rissen die Bank auseinander, die Spieler wurden in die Kabine geschickt. Als sie zurückkamen, war der Eisber schon leer.

Die Botschaft am Mittwochvormittag kam per Push-Nachricht: „ stabiler Zustand, Atemwege frei, neurologisch unauffällig“. Ein Satz, der Klagenfurt erleichtert aufseufzen lässt. Die Mannschaft trainierte nicht, stattdessen sitzen sie in der Kantine, schweigend, Handys in der Hand, warten auf das nächste Update. Kapitain Thomas Hundertpfund sagte: „Wir wollen keine Pokale umschreiben, wir wollen nur Jordi wieder lachen sehen.“

Die medizinischen Details bleiben vage. Klubarzt Florianz spricht von „plötzlichem Herzstillstand ohne äußere Ursache“, eine genaue Diagnose steht aus. Experten vermuten eine ventrikuläre Arrhythmie, jene elektrische Kurzschluss-Situation, die auch Fußballer wie Daley Blind oder Christian Eriksen ereilte. Beide kehrten mit Implantiertem Defibrillator zurück – ein Schritt, der für Murray noch offen ist. Die nächsten 48 Stunden entscheiden, ob seine Karriere weitergeht, ob sein Herz wieder Vollgas verträgt.

Die serie steht still, das leben rennt weiter

Die serie steht still, das leben rennt weiter

Die Ligaleitung will bis Freitag entscheiden, ob und wie die Best-of-Seven-Serie fortgesetzt wird. Fehervar hat bereits signalisiert, man wolle „menschelnd“ und „flexibel“ sein. Die Kälte der Business-Welt trifft auf die Wärme der Eishockey-Familie. Für die Statistik ist das 1:0 vom Dienstag ein Halb-Spiel, für die Spieler ist es ein Schnitt durchs Leben. Die Tabelle zählt nicht, wenn ein Kollege auf der Intensivstation liegt.

Die Fans haben vor der Klinik Kerzen aufgestellt, Trikots hängen am Zaun, daneben ein Schild: „Jordan, wir warten auf dich, egal wie lange.“ In der Kabine steht sein Stallplatz unangetastet, Schlittschuhe bereit, Stock lehnt an der Wand. Die Saison kann noch so viele Overtimes bringen – diese Nacht war die längste. Und wenn der erste Schritt aufs Eis wieder gelingt, wird das Stadion nicht jubeln, es wird weinen. Dann nämlich ist klar: Der Sieg zählt erst, wenn Murray mitzählt.