Jordan ballert wieder – nur eben auf vier rädern

Michael Jordan hat die NBA verlassen, nicht aber das Bedürfnis zu siegen. Der 63-Jährige steuert jetzt 300 km/h durch die NASCAR-Kurven, weil Basketball allein sein Adrenalin nicht mehr füttert.

Warum ausgerechnet stock-car-racing?

Die Antwort beginnt in einer Garage in Wilmington, North Carolina. Dort schraubte James Jordan Sr. an den Nachbars-Autos, ohne je eine Werkstatt von innen zu sehen. Sein Sohn Michael roch Benzin, bevor er seinen ersten Dreher traf. Drei Jahrzehnte nach dem Tod des Vaters kaufte Jordan sich 2020 50 % an 23XI Racing – ein Zufallsgespräch mit Denny Hamlin, sagen Insider, habe die Idee entfacht. Kein Businessplan, keine Excel-Tabellen. Nur der alte Instinkt: Wenn ich schon nicht mehr auf dem Court gewinne, dann eben auf der Ovalbahn.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In der Saison 2023 fuhr das Team 23XI erstmals beide Fahrer in die NASCAR-Play-offs. Bubba Wallace landete zwei Top-5-Platzierungen in Folge, Tyler Reddick holte auf superspeedways die meisten Punkte aller Toyota-Piloten. Jordan sitzt nicht in der Box, aber er schaut jeden einzelnen Boxenstopp. „Ich bin verflucht mit dem Gen, dass ich immer gewinnen will“, sagte er CBS. Keine Floskel. Seine Textnachrichten an Crew-Chief Mike Wheeler gehen bis spät in die Nacht.

Der basketball sitzt noch im nacken

Der basketball sitzt noch im nacken

Jordan verkaufte die Charlotte Hornets 2023, doch das quietschende Sneaker-Geräusch hallt nach. In einem selten offenen Moment gab er zu: „Ich würde wieder Basketball spielen, glaubt mir.“ Die Aussage klingt absurd, ist aber ein Seismograph für seine Leere. Angeln und Motorsport seien nur Ablenkungen, sagt er, echte Ersatzdroge gebe es nicht. Wer ihn in Daytona in der Garage stehen sieht, erkennt dieselbe verbissene Miene wie 1997 in Utah, als er mit 38 Grad Fieber die Finals erzwang.

Dafür zahlt er einen Preis: weniger Kameras, weniger Anfragen, weniger „MJ! MJ!“-Rufe. Das Leben sei leichter geworden, sagt Jordan, „nicht mehr diese Bürde, ständig irgendjemandem etwas schuldig zu sein“. Doch Leichtigkeit ist relativ. Wer einmal den Gipfel des globalen Sports bestiegen hat, findet auf halber Höhe nur noch Sauerstoffmangel.

Die NASCAR-Saison 2024 startet mit Daytona 500 am 18. Februar. Jordan wird an der Pit-Wall stehen, Kappe tief in die Stirn gezogen. Kein Champion-Titel als Besitzer, keine Championship als Fahrer. Nur das alte Feuer, das jetzt durch Auspuffrohre brüllt. Er will gewinnen – und wenn er dafür 500 Meilen im Kreis fahren muss.