Joan garcía lebt den traum – doch die fans spalten sich

60 Minuten hat es gedauert, dann stand er endlich zwischen den Pfosten: Joan García, der Barça-Keeper, der einst mit Espanyol die Stadt unsicher machte, feierte sein Debüt für Spanien. Die Ehre kostete Nerven. Nicht wegen der Ägypter, sondern wegen eigener Leute.

Die schmach von cornellà sitzt tief

Als García zum Aufwärmen trat, grollte es durch den RCD-Stadion wie vor einem Gewitter. Pfiffe. Dann sein Name durch die Lautsprecher – halbe Arena jubelte, andere Hälfte buhte. Im Moment des Einwechsels schwappte ein Sprechchor über die Tribüne: „Joan, Judas“ gegen „¡Vamos Joan!“. Wer lauter war? Unentschieden.

Die Ursache: vor zwei Jahren wechselte der damals 21-Jährige vom Stadtrivalen Espanyol zu Barça. Für viele Pericos ein Sakrileg. „Ich habe es verkraftet, weil ich mein Land repräsentiere“, sagte García nach dem 2:0 nach, aber die Stimme bebte. Luis de la Fuente hatte ihm zuvor den Stempel „einer der besten Torhüter der Welt“ verpasst – ein Satz, der im Umfeld des keepers so steht wie ein Schild vor einem Bauzaun: klar, aber provokant.

Drei schlussmänner, ein ticket

Drei schlussmänner, ein ticket

Die WM-Liste darf nur drei Keeper führen. Gegen Serbien hütete Unai Simón durch, gegen Ägypten startete David Raya. García kam, sah, parierte. Álex Remiro blieb stochern. Nun duellieren sich der Real-Sociedad-Mann und der Barça-Neuling um den dritten Platz – ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Millionenpublikum.

Die Zahlen sprechen für García: 14 Ballkontakte, keine Gegentore, 100 Prozent Passquote. Doch De la Fuente schwört auf interne GPS-Werte und Lautstärke in der Kabine. „Er fordert den Rest heraus“, sagte der Coach. Gemeint: García bringt Konkurrenz, bringt Angst, bringt Leistung.

Ein land in zwei lager gespalten

Ein land in zwei lager gespalten

Barcelona jubelt, Espanyol verflucht. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Foto, das García in einem leeren Stadionkessel zeigt – zwischen den Blöcken tobt der Krieg der Fahnen. Die Botschaft: Wer den Klub wechselt, muss mit dem Feuer spielen. Spanien setzt indessen auf Ruhe. Das Turnier rückt näher, die Entscheidung fällt in zwei Wochen.

Wenn García auf dem Papier steht, fliegt er in die USA, Mexiko, Kanada. Wenn nicht, bleibt ein Traum auf Halde und ein Verein, der ihn feiert – und ein anderer, der ihn nie verzeihen wird. Die Gründe liegen auf dem Platz, die Wunden in den Köpfen. Joan García hat sich durchgebissen. Ob das reicht, entscheidet bald ein Trainer – und ein Land, das sich selbst in zwei Hälften teilt.